Du bist hier: Home » Gesellschaft » Menschen » Die „Friend Zone“

Die „Friend Zone“

Vom besten Freund zum festen Freund

Wenn sich in einer Freundschaft die eine Partie plötzlich in die andere verliebt, ist es Liebe auf den zweiten Blick. Wer jedoch nach wie vor nur zum Abhängen eingeladen wird, muss sich damit abfinden, in der Freundschaftszone zu stecken. Doch wie kommt man aus ihr heraus?

Man stelle sich die Ausgangssituation so vor, wie es bereits Klaus Lage in seinem Lied „1000 Mal Berührt“ beschreibt. Zwei, die wie Geschwister sind, nur Freunde bleiben wollen. „War alles ganz logisch, wir kenn‘ uns zu lange, als dass aus uns nochmal irgendwas wird“, heißt es in der Strophe. Bis schließlich bei einem von beiden der Blitz einschlägt.

Das ist der Moment, ab dem gemeinsames Lernen und Spaghetti kochen nicht mehr einfach nur das ist, was es bisher war. Ein ganzes Weltbild ändert sich. Plötzlich ist man nicht verliebt in ein hübsches Gesicht, das man an der Bar gesehen hat, sondern in den besten Freund, mit all seinen Macken und Eigenheiten, die man kennengelernt hat. Solange man jedoch nach wie vor als Schulter zum Anlehnen oder kleine Schwester behandelt wird, ist die „Freundschaftszone“ alles andere als angenehm.

Schritt Eins: Die Enthüllung
Auf VIVA wagen in der Serie „Friend Zone“ junge Menschen den Schritt nach vorn. Sie erzählen ihren Freunden davon, ein Date zu haben und bitten sie, mit zu dem Ort zu kommen, an dem sie ihren angeblichen Schwarm treffen wollen. Dort angekommen, lüften sie das Geheimnis: Das Date ist für ihren Freund bestimmt. Bei dem einen wird solch ein mutiges Geständnis erwidert, bei anderen nicht.

Nicht nur VIVAS „Friend Zone“ versucht ein Patentrezept für unglücklich in den besten Freund Verliebte zu geben. Wer ein bisschen mehr Zeit übrig hat, kann sich für J.K. Rowlings Variante aus „Harry Potter“ entscheiden.
Denn auch Hermine und Ron schaffen es, aus ihrer Freundschaft eine Beziehung zu konstruieren. Während Hermine Rons Eifersucht schürt, als sie mit Viktor Krum zum Ball geht, steht er ihr bewundernd und tatkräftig zur Seite. Und wer merkt, dass er den besten Freund genauso neckt, wie Hermine es bei Ron tut, befindet sich schon auf einem guten Weg.

Schritt Zwei: Subtile Veränderungen
Doch wer aus der Freundschaftsfalle herauskommen will, muss nicht sofort ins kalte Wasser springen. Der Grundstein ist in jedem Fall gelegt. Man kennt den anderen besser als sich selbst, weiß, was er will oder eben nicht will. Man hat gemeinsame Interessen, einen ähnlichen Freundeskreis und denselben Humor.

Meistens hilft schon eine Veränderung von Gewohnheiten, um nun die Aufmerksamkeit des Freundes zu erregen. Anstatt Jogginghose in Jeans oder Rock aufkreuzen, oder mit anderen in Gegenwart der betreffenden Person flirten, kann Wunder wirken. Danach sieht man zumindest, ob die Signale gewirkt haben. Hat man einen bewundernden Blick für den roten Lippenstift bekommen? Ist sie am nächsten Morgen sauer auf die Blondine, mit der man stundenlang geredet hat?

Wer sich nach wie vor unentbehrlich macht, versinkt nur noch tiefer in der Freundschaftsfalle. Tabu ist ab jetzt, den Freund versuchen zu verkuppeln, bloß weil er danach gefragt hat. Es ist nicht zielführend, dasselbe Programm abzuspulen wie in all den Jahren zuvor. Vielleicht ist es der gemeinsame Urlaub oder ein Projekt bei der Arbeit, das hilft, einander näher zu kommen. Letztendlich ist der Weg aus der Freundschaftsfalle nicht immer so aussichtslos wie er erscheinen mag.

(Text: Ronja Heintzsch)

Weitere Artikel zum Titelthema „friends will be friends“:
Wie viele echte Freunde braucht man wirklich?
Über die platonische Beziehung zwischen Mann und Frau
Vom besten zum festen Freund
Über die Schwierigkeit, neue Freunde zu finden
Hat Freundschaft eigentlich ein Ablaufdatum?
Freundschaftskiller Wohngemeinschaft
Warum die beste Freundin so wichtig ist

Download PDF  Artikel drucken (PDF)

Schreibe einen neuen Kommentar

You must be logged in to post a comment.

Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

Anzahl der Artikel : 69

© back view e.V., 2007 - 2017

Scrolle zum Anfang