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Die Frau im Baum

Julia ‚Butterfly‘ Hill und ihr Kampf als Umweltschützerin

Nach Unfall oder Krankheit haben viele Menschen den Drang, ihr Leben zu ändern und suchen abseits von Konsum und Konkurrenzdenken nach einem tieferen Sinn. So ging es auch Julia Hill. Nach einem Autounfall im August 1996 ging sie mit Freunden auf eine Reise an die Westküste Amerikas. Dort, in Humboldt County, fand sie ihre Berufung.


1997 – ein Jahr nach ihrem Autounfall – kam Julia Hill an die Westküste. Dort protestierten Umweltschützer gerade gegen die Komplettabholzung eines Gebietes voller jahrhundertealter Küstenmammutbäume durch die Firma „Pacific Lumber“. Obwohl sie selbst keiner solchen Organisation angehörte, beschloss sie spontan mitzumachen; als ein Freiwilliger für eine ganz besondere Protestaktion gesucht wurde. Und so kam es, dass sie am 10. Dezember 1997 zwei vier Quadratmeter große Plattformen in 60 Metern Höhe bestieg, die sie für die nächsten 738 Tage ihr Zuhause nennen sollte. Ihr Bild und ihre Geschichte gingen um den Globus.

Aber wer ist diese Frau die sich gegen Pacific Lumber stellte?

Am 18. Februar 1974 in Mount Vernon, Missouri, als Julia Lorraine Hill geboren, verbrachte sie ihre Kindheit als Tochter eines Reisepfarrers in einem Wohnmobil und auf Campingplätzen. Schon früh durchstreifte sie die Umgebung. Bei einem dieser Ausflüge landete ein Schmetterling auf ihrem Finger und blieb dort sitzen, daher auch ihr Spitzname „Butterfly“.
Schon als Jugendliche brachte sie ihre Zuneigung zur Natur damit zum Ausdruck und entschied sich für eine vegane Lebensweise. Ihre Schulzeit verbrachte sie in Jonesboro, Arkansas, wo sich auch der Autounfall ereignete.

Während ihrer berühmten Baumbesetzung, bei der sie unter anderem von „Earth First!“ unterstützt wurde, versuchte Pacific Lumber sie durch zahlreiche Versuche zu vertreiben, scheiterte aber. Sie verließ den Baum, den sie „Luna“ taufte, erst im Jahr 1999 wieder – nachdem man sich mit der Firma darauf geeinigt hatte, alle Bäume in einer 12 000m² großen Pufferzone stehen zu lassen.
Noch im selben Jahr gründete Hill ihre eigene Umweltschutzorganisation „Circle of Life Foundation“. Seit vier Jahren lebt sie in Oakland, California, und organisiert Workshops und Events, schreibt Vorworte für Bücher und verkauft Kunst auf Auktionen, um Spenden zu sammeln.

Doch heute interessiert sie sich nicht mehr nur für den Schutz der Umwelt, sondern auch für die internen Strukturen und Machtverhältnisse der Organisationen, die sie zu schützen versuchen. Ein großer Kritikpunkt ihrerseits ist dabei der dort existierende Rassismus und Sexismus innerhalb der Belegschaften. Außerdem findet sie, dass anstatt nur zu reden, mehr gehandelt werden sollte, um Projekte und Ideen umzusetzen.

Ihre Geschichte veröffentlichte sie in dem Buch „The Legacy of Luna. The Story of a Tree, a Woman and the Struggles to save the Redwoods“ (dt. Die Botschaft der Baumfrau).

Auch heute noch organisiert die Gruppierung Earth First! solche Baumbesetzungen, um ein Zeichen zu setzen und an Julia Hill zu erinnern. Zuletzt am 28. Juli 2011 unter anderem im Elliot State Forest in Oregon und zur Zeit noch im McKay Tract in Humboldt, California.

(Text: Franziska Mayer)
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Über den Autor

Franziska Mayer
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