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Die Liste

Ein Punkteplan für den Abschied von den Zwanzigern

Die große 30. Für unsere Autorin, die lieber anonym bleiben will, läuft der Countdown zum runden Geburtstag bereits. Bis dahin steht aber noch einiges an, denn sie führt eine ganz persönliche Liste von Dingen, die sie bis 30 noch erledigen will.

Die 30. Eine 3 und eine 0 – eigentlich ganz einfach. Aber selbst beim Tippen kostet sie mich Überwindung. Nicht einmal mehr 350 Tage und es ist so weit: Tschüss schöne Twen-Zeit, hallo Erwachsenenwelt! Hallo endloses Arbeitsleben, hallo seriöse Klamotten und hallo verzweifelte Ü30-Partys.

Spätestens nach den letzten, nicht so wirklich lustigen Glückwünschen der besten Freundin („Alles Gute und so. Endlich das Alter erreicht, dass du äh für immer bleiben wirst, ne?“) war klar: Dieses nächste Jahr muss groß werden. Andere Menschen feiern Junggesellinnenabschiede, ich werde einen ausgedehnten Twen-Abschied feiern. Das volle Programm!

Nächtliche Freibadbesuche und Skaten
Dafür musste erst einmal eine Liste her. Mit Dingen, die mich noch einmalEin Auszug aus der Vor-30-Liste richtig herausfordern und trotzdem verdammt viel Spaß machen – wie damals, vor zehn Jahren. „Dinge, die vor 30 unbedingt noch gemacht werden müssen“ taufte ich sie und schrieb drauf los: „Nachts ins Freibad“, „zu zweit die ganze Nacht am See sitzen und einen kompletten Kasten Bier trinken“ oder „das Skateboard wieder rausholen und ab auf die Straße damit“.

Danach bekam die Liste allerdings erst einmal eine Unter-Liste „Dinge, die vor 30 unbedingt noch EINMAL gemacht werden müssen.“ Denn die meisten Dinge darauf waren tatsächlich Highlight-Erlebnisse von damals, vor zehn Jahren.

Aber auch neue Ziele mussten her. Ich dachte also lange über die Dinge nach, die ich mich auch damals vor zehn Jahren nie getraut hatte, holte mir Inspiration von anderen U-30ern und erweiterte die Liste schließlich um einige anspruchsvolle Punkte wie – an dieser Stelle ist jeder seiner eigenen Fantasie überlassen.

Die Reaktionen auf meine Liste fielen bisher sehr unterschiedlich aus: „lustig“, „total albern“, „gute Idee“, „völlig übertriebene Panikmache“ oder auch „ach echt, du wirst schon 30?“ Zugegeben, die letzte ist meine liebste.

Manches muss bis zur 40er-Liste warten
Eine Freundin, der ich davon erzählte, erinnerte sich noch gut daran, selbst schon einmal eine ähnliche Liste gemacht zu haben. Nämlich damals, vor zehn Jahren. Damals war die 25 die große Unbekannte und ihre Ziele bis dahin waren es, einen Beruf, einen Mann, zwei Kinder und ein Haus zu haben. Bis auf das zweite Kind hat sie es sogar geschafft, weshalb sie kurz meinen vollen Respekt hatte. Was mich angeht, gehören diese Ziele allerdings auf die „Dinge, die vor 40-Liste“ und ich verabschiedete mich mit einem gedachten „Wie uncool“ von ihr.

Da bin ich mit meiner Liste, die sich eher dem Spaß widmet, doch viel besser dran. Auch, wenn sie ein hartes Stückchen Arbeit wird – immerhin erfordert sie nicht nur von mir, sondern auch von meinen Freunden besonderen Einsatz. Doch ich bin optimistisch, dass ich nächstes Jahr im September der großen 30 total selbstbewusst gegenüberstehen werde und sagen kann: Ich bin bereit – alles, was bis hierher zu tun war, hab ich getan.

Ach ja, heute – die Liste ist jetzt etwa einen Monat alt – habe ich noch nichts davon abgehakt. Liegt vielleicht daran, dass die 30 mir trotz aller Ängste doch noch sehr weit weg erscheint. Oder daran, dass man die meisten Punkte der Liste ja eigentlich auch in zehn Jahren, mit 40, noch tun kann …

(anonym)

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