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Der vergessene Völkermord

Über den Sklavenhandel in Afrika

Verschleppt, geknechtet und kastriert – so sah das Schicksal der afrikanischen Sklaven aus. Und das lange, bevor die Amerikaner dazu kamen. Schon die muslimische Welt versklavte die schwarze Nation.

Schon seit dem siebten Jahrhundert werden Afrikaner im Namen Allahs versklavt. Denn mit dem Islam kommt auch die Gewalt in den schwarzen Kontinent. Wer kein Moslem werden will, wird als Sklave verschleppt. Die Geschichte dieses Menschenhandels gilt heute als Tabu, kaum einer weiß davon. Die Verschleppung von Afrikanern nach Amerika ist dagegen offensichtlich. Doch laut Schätzungen trifft dieses Schicksal die Schwarzafrikaner schon viel früher- schätzungsweise über 17 Millionen fallen der Sklaverei zum Opfer.

Wer ist verantwortlich für den Menschenraub?
In der Anfangszeit sind es vor allem Machthaber aus der arabischen Welt. Afrikaner galten als sehr strapazierfähig und werden in die Türkei, nach Persien oder auch nach Indien gebracht. Selbst die Nordafrikaner versklaven ihr eigenes Volk und treiben die Knechte durch die Sahara bis nach Libyen, Ägypten oder Algerien.

Völkermord durch Kastration

Viele Afrikaner sterben schon bei den Überfällen auf die Dörfer oder an den Strapazen des Transports. Wer lebend auf dem Sklavenmarkt ankommt, steht trotzdem kurz vor dem Tod: Vor dem Verkauf werden die Knechte kastriert. Denn sie sollen im fremden Land keine Nachfolgen zeugen – mit Erfolg. Im Gegensatz zu den USA gehen die Migrationseffekte von Schwarzafrikanern im Nahen Osten gegen Null.
Laut dem Anthropologen Tidiane N’Diaye überlebt nur einer von fünf die gefährliche Operation. N’Diaye spricht daher von einem Völkermord. Denn ein Volk, das sich nicht vermehren kann, stirbt zwangsläufig aus. Kastriert wird dabei jeder Mann – egal, ob er danach auf Plantagen, im Bergbau, Haushalt oder als Eunuche, also Bewacher eines Harems, eingesetzt wird. Selbst Anfang des 20. Jahrhunderts sind vor allem die Eunuchen noch immer keine Seltenheit.

Afrikaner verkaufen ihr eigenes Volk

Die meisten Sklaven waren Kriegsgefangene. Teilweise wurden Kriege strategisch zwischen zwei Parteien angestiftet, da man sich danach großen Profit aus der Versklavung versprach. Auch Kinder und Frauen wurden zu Sklaven, um zum Beispiel Schulden abzubezahlen. Natürlich bleibt auch den Europäern und Amerikanern der Gewinn durch den Sklavenhandel nicht lange verborgen.
Tausende Schwarzafrikaner werden eingepfercht und über den Atlantik verschifft. Dabei spielt der innerafrikanische Sklavenhandel eine große Rolle. Denn die weißen Sklavenhändler gehen nicht selbst auf Jagd, sondern verlassen sich auf bewährte Strukturen. Sie kaufen die Menschenware einfach bei afrikanischen Händlern, die ihre eigenen Landsleute zum Verkauf anbieten. Im Gegenzug bekommen diese dann „Luxusgüter“, wie etwa Kleider, Alkohol oder Gewehre.

13 Jahrhunderte Handel mit der Ware Mensch

In den USA angekommen, werden die Sklaven zwar nicht kastriert, die Arbeit ist jedoch nicht besser. Sie dürfen zwar heiraten, Kinder aufziehen, Häuser und Habseligkeiten besitzen, doch willkürliche Folterungen als Bestrafung sind genauso an der Tagesordnung. Dennoch wird die Sklaverei hier aufgearbeitet, der Menschenhandel innerhalb Afrikas dagegen wird bis heute verschwiegen. Dabei ist der muslimische Sklavenhandel der am längste andauernde in der Geschichte der Menschheit.
Dieser 13 Jahrhunderte lang andauernde Sklavenhandel forderte viel mehr Opfer als der Sklavenhandel nach Amerika, der im Vergleich dazu nur 400 Jahre andauerte. Auch nach dem Verbot der Sklaverei ging der Handel in Afrika weiter. Noch nach 1920 landen Schwarzafrikaner auf der Insel Sansibar in unterirdischen Verließen. Dort schuften sie als Sklaven auf Plantagen. Die Europäer wissen davon – schauen jedoch nur zu.

Und das tun sie noch heute. Genau wie die afrikanische Bevölkerung selbst. Viele beten heute in Moscheen – obwohl ihre Vorfahren im Namen der Religion geknechtet wurden.

(Text: Julia Jung)
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Über den Autor

Julia Jung
Stellvertretende Chefredakteurin und Ressortleiterin English

Hauptberuflich ist Julia Weltenbummlerin, nebenberuflich studiert sie Politik. Wenn sie nicht gerade durch Australien, Neuseeland, Südafrika oder Hongkong reist, schreibt sie ein paar Zeilen für back view und das schon seit 2009.

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