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Der Traum der Freiheit

Was macht den Piraten-Mythos aus?
Man kann ihn  im TV oder jederzeit auf DVD bestaunen – den Kino-Vorzeigepiraten, der nicht nur Seeräuber, sondern auch Witzfigur ist: Captain Jack Sparrow, vorzüglich dargestellt von Johnny Depp. Die Piraten-Reihe „Fluch der Karibik“ erfreut sich großer Sympathien, ebenso wie der Piraten-Mythos. Doch woher kommt diese Liebe zu den Freibeutern der Meere?

Wenn man der Definition von Piraterie der Internetenzyklopädie Wikipedia glauben mag, ist die Bedeutung von Piraterie folgende:

Bei Piraterie handelt es sich um Gewalttaten, Eigentumsdelikte oder Freiheitsberaubungen, die zu eigennützigen Zwecken unter Gebrauch eines See- oder Luftfahrzeugs auf hoher See oder in anderen Gebieten verübt werden, die keiner staatlichen Gewalt unterliegen.“

Das klingt verdammt langweilig und wird dem immer noch blühenden Piraten-Mythos bei weitem nicht gerecht. Die Piratenfiguren unserer Kindheit vollzogen keine Gewaltdelikte, sie rasselten mit Säbeln und waren im Auftrag der Gerechtigkeit unterwegs. Ja gut, ein bis zwei Opfer gab es dann schon mal, aber es waren ja nur irgendwelche spießbürgerlichen Toupet-Träger, die da von den Freibeutern aufgemischt wurden.

PiratenskelettHedonistisches Leben
Wie immer heiligt der Zweck hier also die Mittel. „Eigennützige Zwecke“ – darüber lässt sich streiten. Sicherlich waren, beziehungsweise sind, die Piraten der verklärten Romantikwelt keine Robin Hoods, sie gaben nicht zwangsläufig den Armen. Sie nahmen sich, was sie kriegen konnten und lebten damit nach den strengen Prinzipien eines hedonistischen Lebens.

Genau dieser Hedonismus und das Streben nach einem Leben in Freiheit sind Charakteristika der Piraten, wie wir sie uns als Kinder vorgestellt haben. Und dieses Bild, das durch die Piratenschiffe von Lego und Playmobil und Piratenfilme à la Fluch der Karibik stets aufrechterhalten wird, wurde bis heute nicht revidiert und fasziniert darum noch immer die Massen.

Die gegeißelte Gesellschaft dürstet dabei nach Idolen und Symbolen. Piraten sind da die Märtyrer, die notwendigen Anker einer sich erdrückenden Gesellschaft. Die Seeräuber brechen aus den Konventionen des Alltags aus, das drücken sie schon alleine durch ihr asketisches Erscheinungsbild aus.

Schon damals Romane für Jungs
Die Piratenromane seit 1860 behandelten ebenfalls die Seeabenteuer der Meereskönige. Angesprochen waren damals vor allem Jungen und junge Männer. Nachdem die Piraterie durch die Erfindung und Einführung der Dampfschiffe weitgehend verschwand, wurden die Piraten in den Texten romantisch verklärt. Eine große Realitätsnähe musste nicht mehr gegeben sein, es genügte der Fokus auf das Abenteuer.

Und genau in diesem Zustand ist die heutige Gesellschaft stehengeblieben. Piraten sind Abenteurer, die das erreichen, wovon der Otto-Normal-Bürger nur träumen kann. Seereisen, Klunker und Whiskey en masse. Nicht unbedingt kulturell anspruchsvoll, aber die Sau ist bekannterweise ja auch im Schlamm  am glücklichsten. Und das klingt bei weitem aufregender als die anfangs zitierte trockene Lexika-Definition über Piraterie.

(Text: Jerome Kirschbaum / Foto: Maximilian Mühlens by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten über Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling für back view, neben den Leibesübungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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