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Der Kult nach dem plötzlichen Tod

Aus der Reihe “Heute vor…”

Genialität, Depressionen, Erfolg, Wahn und Ängste – am 22. Januar 2008 kam all dies zusammen und führte zum Tod des Schauspielers Heath Ledger. Nie war der Australier erfolgreicher als mit seiner letzten großen Rolle als Joker.

Beklemmend überzeugend zieht Heath Ledger die Kinofans in seinen Bann. In der Rolle des Jokers gibt er der Batman-Verfilmung „The Dark Night“ ein Gesicht – sein Gesicht. Ledger spielt den Bösewicht so überzeugend und kraftvoll, dass die eigentliche Nebenrolle schnell in den Vordergrund rückt. Die Faszination der Umstände seines Todes in Kombination mit dieser schauspielerischen Meisterleistung sorgen für Jubelarien in der Presse und bei den Kinobesuchern. Ledger starrt mit dem wild verschmierten Clownsgesicht und der Narbe einer grinsenden Fratze in die Kamera. Aber das Dauerlächeln ist auch in der Rolle des mörderischen Psychopathen nur Fassade.Heath Ledger in der Rolle als "Joker"

Als Jugendlicher wusste der Australier früh, was er will, verließ mit 17 Jahren die Schule und seine Familie in Perth und ging nach Sydney, da er dort bessere Chancen für seine Schauspielkarriere sah. Mit seinen ersten Rollen in den Fernsehserien „Ship to Shore“ und „Sweat“ schaffte er den Sprung nach Amerika.

Einst als Teenie-Star verschrien, gelang Heath Ledger der große Durchbruch in Hollywood erst in den vergangenen sieben Jahren mit Rollen in „Der Patriot“, „Monster’s Ball“, „Ritter aus Leidenschaft“ und vor allem „Brokeback Mountain“. Mit der Darstellung des schwulen Cowboys avancierte er endgültig zum Herzensbrecher und wurde als der James Dean von heute bejubelt.

Doch in seinem letzten großen Interview mit der New York Times bröckelt die sorglose Fassade des Schauspielers. Er gibt sich selbstzweiflerisch – ja fast depressiv: „Wen habe ich denn gespielt, wenn ich gespielt habe?“ Er spricht über wirre Gedanken, die ihn jede Nacht plagen und wach liegen lassen. Zwei, drei Stunden ruhig schlafen, dass könne er schon seit Jahren nur noch mit Hilfe von Schlaftabletten.

Am 22. Januar 2008 kam dann der große Schock für Familie, Freunde, Kollegen und Fans: Heath Ledger wird tot in seinem New Yorker Appartement aufgefunden. Sofort wird ein Fremdverschulden ausgeschlossen und die Autopsie sorgt für eine erschütternde Meldung. Der Schauspieler starb an den unberechenbaren Wechselwirkungen durch die missbräuchliche Einnahme von mehreren Schmerz- und Beruhigungsmitteln.

Trotz mehrerer Schlaftabletten und Medikamenten gegen Angstattacken geht die Polizei allerdings nicht von Selbstmord sondern von einem Unfall aus. Das unwürdige Ende eines Schauspielers, dessen Karriere erst in den Anfängen war. Mit seinen 28 Jahren galt er in Hollywood als der aufstrebende Charakter, der noch großartige Rollen und Darstellung vor sich zu haben schien.

Heute – ein Jahr später – steht eine unglaubliche Erfolgsgeschichte hinter seiner letzten großen Filmrolle, die so nah an seinem realen Leben zu liegen scheint. Wahnsinn und Genialität vereinen sich in dem Bösewicht des Jokers in der Batman-Verfilmung „The Dark Night“. Und auch im Privatleben scheint Ledger gelitten zu haben. Sowohl die Rolle an sich, aber natürlich auch die Umstände dahinter, machen den Schauspieler zum heißesten Kandidaten für den Oscar für die beste Nebenrolle, der am 22. Februar verliehen wird.

Es wäre die Krönung einer langen Reihe an Auszeichnungen für diese eine – die letzte – Rolle von Heath Ledger: AFI Award für „Bester Schauspieler“; drei Spike Scream Awards für „Bester Schauspieler in einem Fantasy-Film“, „Bester Bösewicht“ und „Best Line“; Boston Kritiker Award, Los Angeles Kritiker Award, San Francisco Kritiker Award und Washington DC Area Film Critics Association jeweils für „Bester Nebendarsteller“; People`s Choice Award für „Best Onscreen Match-Up“ in der Rolle als Joker; Critic`s Choice Award für „Bester Nebendarsteller“ und zuletzt einen Golden Globe für die Rolle als Joker.

(Text: Konrad Welzel / Foto: DC Comics; Warner Bros. Entertainment Inc.)



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Über den Autor

Konrad Welzel
Gründer und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegründet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafür ist er viel zu neugierig!!!

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