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Der Junkie aus dem Schloss Bellevue

Senf der Woche: Die Droge Macht

BundesprĂ€sident Christian Wulff ist tatsĂ€chlich zurĂŒckgetreten. Ein Schritt, auf den Deutschland seit Wochen vergeblich gewartet hat. Doch warum rĂ€umt Wulff erst jetzt das Feld, das schon lĂ€ngst brach liegt? Es liegt wohl an dieser unglaublichen Anziehungskraft der Droge Macht.


EmpfĂ€nge, Geld, Prunk und Medienaufmerksamkeit – politische Macht ist eine Droge, der sich Politiker scheinbar nur schwer entziehen können. Christian Wulff hat in den vergangenen Wochen und Monaten eindrucksvoll gezeigt, wie abhĂ€ngig er von dieser AutoritĂ€ts- und Herrschaftsposition als BundesprĂ€sident war.
Regelrecht besessen klammerte er sich an das Amt, an das Schloss Bellevue und an seine lupenreine Vergangenheit als niedersĂ€chsischer MinisterprĂ€sident. Ein Mann, der doch gar nicht so dumm sein kann. Schließlich hat er Abitur, er hat Rechtswissenschaften in OsnabrĂŒck studiert und er hat es schließlich zum höchsten Amt der Bundesrepublik geschafft.

Senf der WocheWarum verliert ein solcher Mann jegliches Reflexionsvermögen? Muss er nicht selbst gemerkt haben, wie abhĂ€ngig er von der Macht-Droge ist? Und hĂ€tte er sich nicht selbst schon viel frĂŒher eingestehen mĂŒssen, dass er seine Machtspritzen der vergangenen Jahre nicht ordentlich entsorgt hat?

Die einzige ErklĂ€rung fĂŒr mich ist: Durch das stĂ€ndige Betanken seiner Venen mit der Politik-Droge hat er die Kontrolle ĂŒber sich selbst verloren. Die stĂ€ndige MedienprĂ€senz der vergangenen Wochen hat ihn wohl zu einer Überdosis des Rauschgiftes verleiten lassen.
RealitÀt und Wulff`sche Traumwelt sind immer mehr verschwommen und selbst letzte Rettungsversuche durch Fernsehinterviews sind klÀglich gescheitert. Es waren seine letzten Macht-Drogen-Trips seiner Karriere als BundesprÀsident.

Wie mag es jetzt weiter gehen mit dem gescheiterten Wulff? Wird der Macht-Junkie aus seinen Fehlern lernen? Blickt man auf Guttenberg, muss man wohl eher den Kopf schĂŒtteln. Auch Guttenberg war besessen von dieser mĂ€chtigen Parallelwelt und gab erst auf, als er sein Drogenbesteck der gefĂ€lschten Doktorarbeit nicht mehr vertuschen und schön reden konnte.

EmpfĂ€nge, Geld, Prunk und Medienaufmerksamkeit – politische Macht ist eine Droge, der sich Politiker nicht entziehen können und auch gar nicht wollen! Die Medien ziehen diese Junkies einerseits zwar immer weiter in den Drogensumpf hinein – durch öffentliche Auftritte und Berichterstattungen. Auf der anderen Seite scheinen sie aber auch die einzige Möglichkeit fĂŒr einen reinigenden Prozess in dieser zugedröhnten Politik-Welt zu sein. Das war schon bei Guttenberg so. Und das ist jetzt auch bei Wulff so.

(Text: Konrad Welzel / Zeichnung: Christina Koormann)
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Über den Autor

Konrad Welzel
GrĂŒnder und Chefredakteur von back view

Konrad hat back view am 06. April 2007 gegrĂŒndet - damals noch in diesem sozialen Netzwerk StudiVZ. Mittlerweile tobt sich Konrad ganz gerne im Bereich Social Media aus und versteht Menschen ohne ein Facebook-Profil nicht - dafĂŒr ist er viel zu neugierig!!!

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