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Der Fall des einstigen Superstars

Im Skispringen werden Martin Schmitts Erben gesucht
Nur sein lila Helm erinnert an alte Glanzzeiten. Martin Schmitt ist in die Jahre gekommen. Die Zeit als Siegspringer ist für den 33-Jährigen längst vorbei. Am vergangenen Wochenende stieg der einstige Ausnahmespringer im norwegischen Lillehammer verspätet in den Weltcupzirkus ein – mit mäßigem Erfolg.


Für Schlagzeilen sorgen andere deutsche Springer. Mit Severin Freund und Richard Freitag hat Bundestrainer Werner Schuster längst junge Springer in seinen Reihen, die auf Dauer die dominierenden Österreicher herausfordern können. Freund und Freitag ist es zuzutrauen, bei der Ende Dezember beginnenden Vierschanzen-Tournee ein Ausrufezeichen zu setzen.

„Endlich schmerzfrei”
Die Liste seiner Erfolge ist lang: Olympia- und Weltcupsieger sowie Weltmeister. Jahrelang war Martin Schmitt neben Sven Hannawald das Maß der Dinge im Skispringen. Lang ist es her. Die Gegenwart sieht anders aus. Beim Auftaktspringen des Skisprung-Weltcups im finnischen Kuusamo fehlte Martin Schmitt noch. Den viermaligen Weltmeister plagten Beschwerden im linken Knie. Eine Sehnenreizung im Sommer beeinträchtigten Schmitt im Training. Acht Wochen lang musste er kürzer treten.

„Seit Anfang November bin ich nun endlich schmerzfrei”, erklärte Schmitt nach Angaben des Deutschen Ski-Verbands (DSV). Am vergangenen Wochenende kehrte Schmitt zurück in den Weltcup. Ausnahmesprünge zeigte Schmitt nicht. Ganz im Gegenteil. Beim Springen am Sonnabend wurde Schmitt 50. und somit Letzter. Tags darauf konnte Schmitt wenigstens das Finale der 30-Bestplatzierten erreichen. Am Ende stand ein 25. Rang zur Buche.

Vom Sieg- zum Teamspringer
Siege trauen ihm nur noch seine optimistischsten Fans zu. Selbst Bundestrainer Werner Schuster glaubt nicht mehr an eine Leistungsexplosion Schmitts. „Martin wird es nie mehr schaffen, an seine großen Siege anzuknüpfen. Dieses Ziel ist er lange genug vergeblich hinterhergejagt. Auf gewissen Schanzen an gewissen Tagen traue ich Martin noch Spitzenleistungen zu, aber für eine ganze Saison wird es nicht reichen. Er ist jetzt ein Teamspringer.” Platzierungen um Rang 15 seien laut Schuster für Martin Schmitt möglich, wenn alles funktioniert.

Seit Jahren kämpft Schmitt vergeblich um die Rückkehr an die Spitze des Feldes. Sein letzter seiner 28-Weltcupsiege liegt bereits fast zehn Jahre zurück. In der Saison 2008/2009 sah es so aus, als würde Schmitt auch im Einzel an alte Zeiten anknüpfen können. Im tschechischen Liberec wurde er auf der Großschanze Vizeweltmeister. Auf der Normalschanze bestätigte Schmitt als Fünfter seine gute Form. Im Gesamt-Weltcup belegte Schmitt Platz sechs. Die Vierschanzentournee beendete er als Vierter. In den darauffolgenden Jahren konnte Schmitt diesen positiven Trend nicht bestätigen.

Beim ersten Highlight der Saison, der Vierschanzentournee, wird Schmitt Ende Dezember wie in Lillehammer die Rolle des Mitläufers einnehmen. Zwar feiern die deutschen Fans ihn noch, die Leistungen werden aber nur meist mit mitleidigen Kopfschütteln quittiert. Auch die Presse zeigt Mitleid mit Schmitt. Die Bild-Zeitung titelte einst: „Selbst die Milka-Kuh fliegt weiter als Schmitt.”

Freitag und Freund die neuen Siegspringer
Die diesjährige Vierschanzentournee wird eher zur Bühne von zwei jungen deutschen Springern, die bereits in diesem Winter Ausrufezeichen gesetzt haben. Severin Freund (23) und Richard Freitag (20) verkörpern die neue Gilde der DSV-Vorzeigespringer. Sie können die seit Jahren dominierenden Österreicher um Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer im Kampf um Siege Paroli bieten.

Severin Freund und Richard Freitag belegten in Lillehammer je den zweiten Platz. Im Gesamtweltcup liegt Freitag auf Rang drei einen Platz vor Freund. Im Gegensatz zu Freund, dessen Knoten bereits im letzten Jahr durch zwei Weltcupsiege platzte, ist Freitag seit dem Sommer-Grand-Prix stets in den vorderen Ergebnislisten zu finden. Beide haben das Potenzial, in den kommenden Jahren an die großen Erfolge von Martin Schmitt und Sven Hannawald anzuknüpfen, auf die die deutschen Skisprungfans lange vergeblich warten mussten. Die Erben des einstigen Superstars scheinen gefunden.

(Text: Marlo Mintel)

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