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Der eine Moment

Die entscheidende Sekunde fĂŒr Fußballspieler

Andy Warhol sprach einst von den 15 Minuten Ruhm, die in Zukunft einem jeden Menschen zu Teil sein wĂŒrden. Manch Fußballer schaffte es mit nur einer einzigen Aktion zu dauerhaftem Ruhm. Es gibt ihn, den einen Moment, der einen Fußballer zur Legende oder Lachnummer werden lĂ€sst.

Vorletzter Spieltag der Bundesligasaison 2003/04. Francis Kioyo, vor wenigen Minuten eingewechselt, schnappt sich selbstbewusst den Ball und lĂ€uft auf den Elfmeterpunkt zu. Der StĂŒrmer aus Kamerun wartet den Pfiff des Unparteiischen ab, nimmt Anlauf und drischt den Ball weit am linken Torpfosten vorbei. Nicht nur den Fans des TSV 1860 MĂŒnchen wird diese Momentaufnahme in Erinnerung geblieben sein. Die MĂŒnchner Löwen mussten den Gang in die Zweitklassigkeit antreten, Francis Kioyo wurde zum alleinigen Buhmann auserkoren und sein Vertrag wurde nicht verlĂ€ngert.

Die vielleicht schwĂ€rzeste Stunde in Kioyos Karriere sorgt auch heutzutage noch fĂŒr Schadenfreude, Lacher, Mitleid oder Wut. Mit seinem „KunststĂŒck“ steht er jedoch nicht alleine da, ganz im Gegenteil. Uli Hoeness, David Beckham und Michael Kutztop sind nur drei prominente Beispiele fĂŒr das Scheitern am Elfmeterpunkt.

Fußballweltmeisterschaft 1974 in Deutschland. Am 22. Juni schlĂ€gt JĂŒrgen Sparwassers große Stunde. Im einzigen Spiel zwischen West- und Ostdeutschland erzielt der Spieler des FC Magdeburg das 1:0 Siegtor fĂŒr die Deutsche Demokratische Republik. Sein Treffer im „Bruder – Duell“ ging in die Annalen der Sportgeschichte ein. Zeitzeugen schreiben dem Treffer einen hohen Stellenwert zu: So habe erst die blamable Niederlage, die auf Sparwassers Konto ging, das bundesdeutsche Team zu einer Einheit formen können. Resultat war der Gewinn der Weltmeisterschaft im eigenen Lande.

Der GlĂŒcksmoment Sparwassers wurde in der ehemaligen DDR zu Propagandazwecken gegen den Klassenfeind ausgeschlachtet, woraufhin viele Menschen dem Mittelfeldspieler seine PopularitĂ€t missgönnten. Dennoch brachte es Sparwasser in einem Interview nach der Wende auf den Punkt: „Wenn man auf meinen Grabstein eines Tages nur Hamburg 74 schreibt, weiß jeder, wer da drunter liegt.“

(Text: Matthias Hoffmann)
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