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Der Ball rollt nicht mehr

21 Todesurteile gegen die StadionschlÀger von Port-Said

Es wurde heute im Ägyptischen Staatsfernsehen ĂŒbertragen. Das Gerichtsurteil gegen 21 SchlĂ€ger, die vor einem Jahr in Port-Said bei den Stadionkrawallen mitgewirkt haben. Der Richter sprach 21 Todesurteile. Die Welt ist erschĂŒttert, in Ägypten gibt es Jubel und Eskalation.

Am 1. Februar 2012 war es in Port-Said zu den grĂ¶ĂŸten Krawallen in der Ă€gyptischen Fußballgeschichte gekommen. Damals wurden mindestens 74 Menschen getötet, tausende verletzt. Die HintergrĂŒnde der Ausschreitungen waren sagenumwoben. Es hieß, dass die regimetreuen Fans von Al-Masry aus politischen GrĂŒnden auf die Ultras Ahlawy losgegangen seien. FußballanhĂ€nger wurden da zu RegimeschlĂ€gern instrumentalisiert.

Der politisierte Fanblock von Al-Ahly war zuvor nĂ€mlich mitverantwortlich fĂŒr den Sturz von PrĂ€sident und Despot Husni Mubarack. Die Ultras Ahlawy waren fundamentaler Bestandteil der Demonstranten. Sie prĂŒgelten sich auf der Straße mit Polizisten und anderen RegimeschĂŒtzern.

6356574219_67dd95de35Kontinuierliche Geschichte der Gewalt
Fußball und Politik, schon 2012 waren die beiden gesellschaftlichen Felder so eng wie selten miteinander verbunden. Heute, am Jahrestag der Revolution, wird Ägypten abermals von Auseinandersetzungen erschĂŒttert. Es ist eine kontinuierliche Geschichte der Gewalt, die das Land nun seit gut zwei Jahren verfolgt.

Nun offenbart sich mit den Todesurteilen abermals die Verquickung von Fußball und dem politischen Geschehen in Ägypten. Die Ultras Ahlawy hatten weitere Unruhen angekĂŒndigt, wenn die Fans und Randalierer der Port-Said-Katastrophe nicht angemessen bestraft wĂŒrden.

Nun lĂ€sst sich ĂŒber die Todesstrafe trefflich streiten, aber in den Augen der Ultras war sie die einzig adĂ€quate Lösung – so scheint es. Die VerkĂŒndung der Urteile wurde mit Jubel und „Allahu Akbar“-Rufen gefeiert. Gott ist groß. Doch ebenso groß war die Reaktion auf den Straßen.

Angehörige der Verurteilten versuchten, das GefĂ€ngnis zu stĂŒrmen, weitere Unruhen folgten. Alleine heute wurden im Rahmen der Unruhen in Port-Said 22 Menschen getötet und ĂŒber 200 verletzt. Es ist ein symbolischer Richterspruch, der die Regimekritiker – und damit auch die Ultras Ahlawy – milde stimmen sollte. Der Jahrestag der Revolution eignet sich perfekt fĂŒr eine solche Inszenierung.

Weitere Urteile sollen am 9. MĂ€rz folgen
Es ist aber wohl ein zweischneidiges Schwert, das derzeit Damokles-gleich ĂŒber Ägypten schwebt. Wer die eine Seite beruhigt, der sieht sich der anderen ausgesetzt. Da sind derartige RichtersprĂŒche nur weiteres Öl in ein ohnehin loderndes Feuer. Weitere Urteile zu den Port-Said-Unruhen sollen am 9. MĂ€rz folgen.

Der Fußball macht dabei eine unglĂŒckliche Figur, er gerĂ€t zwischen die Fronten und spielt eine essentielle Rolle in der Revolution. Teile der AnhĂ€nger hatten Mubarack gestĂŒrzt, dann hatten sie dafĂŒr zahlen mĂŒssen. Nun folgte die Konzessionsentscheidung, die abermals Unruhen provozierte.

PrĂ€sident Mursi hatte zuletzt die 74 Opfer der Port-Said-Ausschreitungen von 2012 zu den offiziellen MĂ€rtyrern der Revolution ernannt. Eine schöne Geste, doch die Sprengkraft der Unsicherheit, Gewalt und Unzufriedenheit in Ägypten trat kurze Zeit spĂ€ter mit den Todesurteilen wieder zutage.

Der Ligabetrieb wird wieder eröffnet
Es scheint eine Randnotiz, doch baldig soll tatsĂ€chlich der Ligabetrieb wieder starten. Am 1. Februar 2013 – so ist der Plan – beginnt die neue Spielzeit im Ă€gyptischen Fußball. Seit dem 2.2.2012 wurde kein offizielles Meisterschaftsspiel mehr angepfiffen. Der Fußball rollt seit nun einem Jahr nicht mehr in Ägypten.

Die Saison 2012/2013 startet mit dem Spiel Ghazl Al-Mehalla gegen Al-Ahly. Auf Seiten von Al Ahly sind einige Spieler nicht mehr dabei. Mohamed Aboutrika, Emad Moteab und Mohamed Barakat hatten kurz nach den Stadionkrawallen ihre Karrieren beendet.

 

(Text: Jerome Kirschbaum / Foto: alhussainy, www.flickr.com)
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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten ĂŒber Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling fĂŒr back view, neben den LeibesĂŒbungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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