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Das Resultat der Erschaffung des Menschen

Eine moderne Betrachtung der Schöpfungsgeschichte

Untertan sollten wir uns die Erde machen. Haben wir das getan? Und haben wir vielleicht √ľbertrieben? Wenn wir uns das erste Kapitel der Bibel anschauen, entdecken wir viele Handlungen, die von der Menschheit in der Vergangenheit und vor allem heute tagt√§glich vollzogen werden.

Nie war die Diskussion um den Glauben so groß wie heute. Argwöhnisch beäugen wir den Islam, wenn es um Koranverteilungen in der Fußgängerzone oder um die Scharia geht, die etwa im Iran angewendet wird. Zwiegespalten ist mittlerweile auch der Umgang mit dem Christentum in der westlichen Welt.

Kondome f√ľr Afrika? Laut dem Papst nur ‚Äěin begr√ľndeten Einzelf√§llen“. Kinder, betreut von der katholischen Kirche? Die Nachrichten in den letzten Jahren berichten oft genug von Misshandlungen. Ein Blick in die Bibel offenbart viele Passagen, die uns heute mindestens die Stirn runzeln lassen, etwa Mose 19:19: ‚Äěund es soll kein Kleid auf deinen Leib kommen, das von zweierlei Garn gewoben ist.“

Doch begeben wir uns doch mal zur Sch√∂pfungsgeschichte. Wenn die Bibel wahr ist, was hat der Wille Gottes heute f√ľr Auswirkungen auf uns?

Genesis 1:1 besagt, dass Gott Himmel und Erde schuf. Johannes, im Neuen Testament, meint dazu: ‚ÄěAm Anfang war das Wort.“ Wobei dies, wie schon Goethes „Faust“ erkannte, auch mit Kraft, Sinn oder Tat √ľbersetzt werden kann. Kann man daraus nicht auch Macht schlussfolgern? √úberspringt man ein paar Zeilen im Alten Testament findet man den Satz ‚Äě[Menschen] mehret euch und f√ľllet die Erde und machet sie euch untertan“.

Die Menschen erhalten von Gott nun Kraft, die Kraft, die er erst sechs Tage zuvor erschaffen hat. Als Adam und Eva in Genesis 3:6 in die Frucht vom Baum der Erkenntnis bei√üen, gehen ihnen die Augen auf, sie erhalten Klugheit; auch eine Form der Macht. Erst beides zusammen ergibt wirkliche Macht. Was ist Kontrolle ohne Kraft? Was ist Kraft ohne Kontrolle? Der Mensch ist nun in der Lage, die Welt beliebig nach seinem Ermessen zu formen, und Macht auszu√ľben.

Dies erkennen wir, wenn wir uns wieder den ersten Passagen von Genesis zuwenden – und mit der heutigen Welt vergleichen. Genesis 1:2 : ‚ÄěGott schwebte auf dem Wasser.“ Einst galt der Atlantik als un√ľberwindbares Hindernis, die Grenze des Abendlandes. Das Meer verk√∂rperte die Sehnsucht nach Ferne, nach √úberwindung der Grenzen – bis zum Jahre 1492. 39 Tage dauerte die Fahrt von Kolumbius von Huelva in S√ľdspanien bis zu einer Insel der Bahamas. Zu Zeiten der Concorde ben√∂tigte der Flug von Paris nach New York 3 einhalb Stunden.

Heute ist mit dem Begriff des Okzidents auch die ‚ÄěNeue Welt“ gemeint, vor allem Kanada und die USA. Ein Satellit, der in einer niedrigen Umlaufbahn die Erde umkreist, ben√∂tigt f√ľr eine volle Erdumrundung gerade mal 100 Minuten. Die Nasa-Sonde Curiosity landete j√ľngst auf dem Mars. Die Ma√üst√§be verschieben sich also und es scheint, als g√§be es kaum mehr Sph√§ren, die der Mensch fr√ľher oder sp√§ter nicht wissenschaftlich erforschen k√∂nne.

Nicht nur dies zeigt, wie die Entwicklung und der Einfluss des Menschen sich immer weiter gesteigert haben. Gleich dahinter in Genesis folgt der Satz ‚ÄěEs werde Licht! Und es wart Licht.“ Wann k√∂nnen wir uns an das letzte Mal erinnern, als wir in vollkommener Dunkelheit waren? Die Stra√üen sind auch nachts beleuchtet, von imposanten Orten wie dem Times Square mal abgesehen.

Auf dem Land und in der Wildnis, in D√∂rfern oder auf Camping-Pl√§tzen, √ľberall stehen mindestens Petroleum-Leuchten. Selbst auf ‚Äěkilometerweiter“ Entfernung ist es unseren Augen bei v√∂lliger Dunkelheit noch m√∂glich, etwa ein Handy-Display zu sehen. Diese Omnipr√§senz des Lichtes hat auch einen Namen: Lichtverschmutzung. Die oft geh√∂rte Klausel ‚ÄěDie Nacht zum Tag machen“ kommt nicht von ungef√§hr.

Am dritten Tag formt Gott die Kontinente. Er besiedelt diese mit Gras und Bäumen, lässt aus Samen alle mögliche Flora sprießen. Auch das machen wir. Landgewinnung ist aber nicht nur eine Leistung der Neuzeit. Bereits 332 v. Chr. ließ Alexander der Große einen Damm errichten, um die Insel Tyros einzunehmen. Dieser Damm wurde mit der Zeit immer breiter, Schwemmland sammelte sich an Рheute ist Tyros eine Halbinsel.

Heutzutage gibt es immer wieder Projekte, die uns zeigen, was mit Ingenieurskunst alles m√∂glich ist. Aktuelles Beispiel: Mitten im Kaspischen Meer soll eine neue Stadt entstehen. Das Herzst√ľck dazu wird der „Azerbaijan Tower“ werden, ein 1050 Meter hoher Wolkenkratzer. Insgesamt soll dem Wasser eine Fl√§che von 20 Quadratkilometern abgetrotzt werden, eine Fl√§che fast doppelt so gro√ü wie das Berliner Viertel Prenzlauer Berg.

Am f√ľnften und sechsten Tag lies Gott die Erde mit Kreaturen aller Art bev√∂lkern. Insekten, W√ľrmer, V√∂gel, Vieh. Sein Werk war umfangreich: Auf der Erde leben laut einer aktuellen Studie 8,7 Millionen verschiedene Arten. Gerade mal 4000 davon sind S√§ugetierarten.

Auch hier greift der Mensch ein: jeden Tag sterben bis zu 130 Arten aus, vor allem, weil durch Abholzung und Desertifikation der Lebensraum kleiner wird. Doch er steigert auch die Vielfalt: Durch Zucht und Gentechnik. Seit einiger Zeit gibt es in den USA sogenannte ‚ÄěGlofish“ zu kaufen, Kleinfische, in dessen Genom ein Gen einer Quallenart kloniert wurde. Die Zukunft wird zeigen, welche M√∂glichkeiten sich durch diese Technik noch bieten. Ob diese √ľberhaupt durchgef√ľhrt werden sollten – diese Frage ist sp√§testens seit Filmen wie ‚ÄěJurassic Park“ und ‚ÄěGattaca“ aktuell.

2000 Jahre nach Beginn unserer Zeitrechnung können wir also sagen: Die Erde ist uns untertan. In diesen zwei Jahrtausenden ist die Weltbevölkerung von 200 Millionen auf das 35fache hochgeschnellt.

Selbst in den lebensfeindlichsten Umgebungen gibt es Menschen und durch unsere Intelligenz, durch unseren aufrechten Gang und vor allem durch unsere Anpassungsfähigkeit sind wir wahrlich mächtig. Aber aus Macht erfolgt Verantwortung. Handeln wir nicht gemäß dieser Verantwortung, wird der Mensch eines Tages selbst eine bedrohte Art sein. Und dabei spielt die Glaubensrichtung nicht die wichtigste Rolle.

(Text: Eric Elert)
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