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Das Maß ist voll

Kommentar zu den Bierpreisen auf dem Oktoberfest

In Deutschland herrscht Rekordstimmung: Das Hoch „Jette“ beschert einen Altweibersommer und in Frankfurt am Main herrscht Jubelstimmung,  denn vergangene Woche erreichte der Deutschen Aktienindex (DAX) mit 8770 Punkten ein neues Rekordhoch. Bereits Anfang Juni vermeldete die bayerische Landeshauptstadt ihren neuen Spitzenwert: Die magischen Zahlen lauten 9,40 bis 9,85 Euro.

Dabei handelt es sich nicht etwa um die neuen Mineralölpreise, denn aufgetankt und gespült wird dennoch – und zwar selbst die trockenste Kehle. Beim größten Volksfest der Welt, dem Münchner Oktoberfest, das  vom 21. September bis 6. Oktober stattfindet, müssen Wiesn-Besucher tief in die Tasche greifen. Fast zehn Euro kostet das frisch gezapftes Wiesn-Bier in diesem Jahr.

Dass die Bierpreise jährlich steigen, ist für den eingefleischten Wiesn-Gänger längst kein Geheimnis mehr. Im Vorjahr nahm er für etwa 30 Cent weniger einen kräftigen Schluck aus dem Maßkrug. Noch vor zehn Jahren kostete eine Maß rund drei Euro weniger. Stetig wird der Preis erhöht. Bei welchem Preis ist die Schmerzgrenze erreicht? Bei diesen saftigen Preisen kann einem nämlich der Genuss auf den süffigen Gerstensaft so langsam vergehen.

Problemloser Preispoker
Noch scheint die jährliche Preiserhöhung am Wiesn-Besucher abzuprallen. Er genießt nämlich, statt sich aufzuregen. Die Zahlen sprechen beim Verbrauch eine deutliche Sprache: So gingen im Vorjahr 6,9 Millionen gefüllte Maßkrüge, bei rund 6,4 Millionen Besuchern, über die Schanktische. Im Jahr 2011 lag der Verbrauch bei 7,5 Millionen Litern bei rund 6,9 Millionen Besuchern. Die Wiesn ist beliebt, dazu gehört traditionell eine Maß. Aber für fast zehn Euro?

Eine Randgruppe, die Wiesnwirte, finden – wie könnte es auch anders sein – den Preis von fast zehn Euro pro Maß angemessen. „Wenn man dieses herrliche Bier probiert, weiß man, dass das jeden Preis wert ist. Und wenn du dann probierst, bekommst du ein Lächeln ins Gesicht und sagst: Schön is“, preist Wirte-Sprecher Toni Roiderer die kostbare Ware an.

Der Traum von vollen Maßkrügen
Doch bei all dieser Lobhudelei auf das traditionelle Münchner Gebräu, sollten einige Wirte angesichts des horrenden Preises lieber bedenken, ordentlich einzuschenken. Ein Liter gleich eine Maß, lautet die einfache Gleichung. Diese Rechnung ging im vergangenen Jahr aber nicht bei allen Maßkrügen auf.

Laut Angaben des Münchner Kreisverwaltungsreferates waren nur 18 Prozent der Maßkrüge regelgerecht eingeschenkt. Damit war nicht einmal jeder fünfte Krug randvoll. Die meisten Wirte schenken nur 0,9 Liter ein. Der Grund: Die von Stadt München festgelegte Toleranzgrenze von 0,1 Liter eröffnet den Wirten einen gewissen Spielraum. Das Einschenken innerhalb dieses Bereichs wird nun immer mehr zur Normalität. Die Regel muss sein: Eine voll eingeschenkte Maß.

Der Leittragende ist der Wiesn-Besucher, der, egal ob sich nun genau ein, 0,9 oder sogar manchmal weniger Liter in seinem Krug befindet, den vollen Preis von aktuell zwischen 9,40 bis 9,85 Euro zahlen muss. Für ihn gibt es schließlich auch keine Toleranzgrenze, dass er bei weniger Bier auch weniger bezahlen müsse. Bei den aktuellen Preisen wäre das sicherlich mehr als angemessen.

Wieviel Spielraum ist noch nach oben?
Die magische Marke von zehn Euro ist schließlich nicht mehr fern. Bleibt es bei der Preissteigerung von durchschnittlich 3,61 Prozent wie in diesem Jahr, dann dürfte die Marke schon 2014 keine Illusion mehr sein. Ein neues Rekordhoch wäre damit in Sichtweite.

Es bleibt nur zu hoffen, dass die Wirte nicht irgendwann auf ihrem kostbaren und vollmundigen gepriesenen Wiesnbier sitzenbleiben. Doch bis dahin wird noch einige Male das bekannte Trinklied „Ein Prosit der Gemütlichkeit“ mit dem anschließenden Kommando: „Oans, zwoa, gsuffa!“ durch die Festzelte schallen. Ohne die Maß wäre so ein Oktoberfest ja auch irgendwie langweilig.

(Text: Sandra Arm)

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