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Das israelische Aufräumkomando

Ein Überblick zum Nahost-Konflikt

Während die ganze Welt Weihnachten feiert, ein Fest, dessen Wurzeln in unserer religiösen und heiligen Vergangenheit liegen, geht das Heilige Land unter: Zwischen Israel und Hamas ist der Konflikt erneut entfacht. Es ist allerdings ein Krieg, der ganz anders als die vergangenen aussieht. Was ist besonders – und welche Ziele verfolgen die beiden Länder damit?

Die Operation „Gegossenes Blei“
Am 24. Dezember hat die Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 kontrolliert,  den Waffenstillstand mit Israel gebrochen und erneut mit dem Raketenwurf gegen die israelischen Dörfer begonnen. Als Reaktion hat das israelische Heer am 27. Dezember eine militärische Operation gestartet, die unter dem Namen „Gegossenes Blei“ in die Geschichte eingehen wird. Die Angriffe sind allgemein in zwei Phasen einzuteilen: Eine erste Phase dauerte sieben Tage und bestand überwiegend aus Luftangriffen. In einem zweiten Schritt, am 3. Januar angefangen, dringt die israelische Armee in den Gazastreifen ein und geht in den Bodenkampf gegen die palästinensischen Kämpfer.

Ein Freund im Weißen Haus und die Stille der arabischen Welt
Obwohl der Waffenstillstand einer weltweit anerkannten Meinung nach von der Hamas gebrochen wurde, geben mehrere israelischen Quellen zu, die ganze Operation war seit Monaten vorbereitet.
Scott Shane, der Autor der Kolumnen der New York Times, (http://www.nytimes.com/2009/01/05/washington/05diplo.html?_r=1) schreibt am 5. Januar, dass Israel angreifen wollte, so lange noch ein guter Freund im Weißen Haus in Amerika sitzt: George W. Bush ist nämlich einer der Israel-freundlicheren US Präsidenten und wird nur noch bis zum 20. Januar im Amt bleiben. Sein Nachfolger Barack Obama scheint stattdessen bereit, einen diplomatischeren Ansatz in der nah-östlichen Problemlage zu verwenden – und auch mit dem Iran wieder diplomatische Kontakte aufzunehmen. Er hätte einem solchen Krieg womöglich kein „grünes Licht“ gegeben.

Barack Obama ist aber nicht der einzige schweigende Akteur in den internationalen Beziehungen. Auch die Reaktion der Arabischen Liga kam zu spät und war zu schwach: Eine ganze Woche lang haben Ägypten, Saudi Arabien und Syrien so leise gesprochen, dass sie kaum zu hören waren. Selbst Abu Mazen, der Leader von Al-Fatah – eine weniger extremistische Gruppierung – hat am 28. Dezember gesagt, „das Massaker von Gaza hätte vermieden werden können, wenn die palästinensischen Gruppen den Dialog mit Israel fortgeführt hätten“. Eine deutliche Beschuldigung der Hamas und ihre Politik, die auch von anderen islamischen Akteuren geteilt wird.

Diese ohrenbetäubende Stille der arabischen Welt wurde nur von den Hesbollah und dem Iran gebrochen. Beide können jetzt dennoch nichts machen: Der Iran würde den Vereinigten Staaten einen Grund dafür geben, einen Angriff auf seine Atomkraftwerk zu führen. Außerdem haben die Wirtschaftskrise und die sinkenden Ölpreise Irans Waffen abgestumpft. Hesbollah kann sich auf der anderen Seite einen neuen Krieg nicht leisten, da er noch versucht, das vom letzten Krieg zerstörte Land aufzubauen.

Israels Ziele: Selbst ausgewählte Feinde?
Israel genoss so eine gewisse Aktionsfreiheit und hat diese auch benutzt – aber welche Ziele werden dabei verfolgt? Einen langen Aufenthalt im Gazastreifen kann sich Israel eigentlich nicht leisten – er würde Hamas die Möglichkeit geben, einen langen Kleinkrieg zu führen und würde Israel die Verantwortung über eineinhalb Million Palästinenser geben.
Und das will Israel absolut nicht. Anderseits ist der Krieg ein großes Risiko, da er die Hamas genauso stärken könnte, wie schon 2006 mit Hesbollah geschehen. Außerdem kann die palästinensische Gruppe, genau wie die libanesische Partei Gottes, nicht einfach abgesetzt werden. Schließlich hat sie die Wahl 2006 gewonnen, genießt einen großen Anhang unter den Palästinensern und hat starke internationale Alliierte. Ein Friede ohne Hamas ist nicht mehr möglich und ein Gaza ohne Hamas wäre noch schwieriger zu kontrollieren und damit für die israelische Nationalsicherheit noch gefährlicher.

Israel versucht deshalb Hamas durch die Zerstörung der Versorgungstunnel und der Infrastrukturen zu entkräften und durch gezielte Operationen zu enthaupten – so wurden innerhalb von nur fünf Tagen fünf Führer der Hamas von israelischen Raketen getötet. Allerdings wird auch ein Frieden mit den neuen, nachkommenden Führern nicht leichter sein. Nur günstiger für Israel. Zudem werden vom israelischen Aufräumen in Gaza auch viele weitere Akteure mitverdienen.

(Autor: Claudio Tocchi)
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