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Das „Goldene Zeitalter“ der Piraten

Von der Karibik in den Indischen Ozean und wieder zurück
In unserer Vorstellung sind Piraten die Edelmänner des Meeres. Sie segeln umher, todesmutig und gut gekleidet, immer auf der Suche nach reich beladenen Schiffen korrupter und gieriger Handelsnationen. Dieses, mit der Realität nicht ganz vereinbare, romantisch-verklärte Bild der Freibeuter basiert größtenteils auf den Schilderungen der Piraterie zu ihren besten Zeiten.

Man geht allgemein davon aus, dass dieses „Goldene Zeitalter“ der Piraterie sich von der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts bis zu den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts erstreckte. Wann hingegen der Höhepunkt der Seeräuberei war, darüber herrscht Uneinigkeit. Oftmals wird er an die Ära berühmter Kapitäne geknüpft.

So sieht ihn Robert Bohn schon in den Anfangsjahren von 1655 bis 1671 als Henry Morgan mit seinen Schiffen plündernd durch die Karibik zog. Andere, wie der schreibende Kapitän Charles Johnson – hinter dem viele ein Pseudonym des Schriftstellers Daniel Defoe vermuten – sieht ihn in den Endjahren von 1714 bis 1722, der Seeherrschaft des berühmten Piraten Edward Teach, den die meisten unter dem Namen Blackbeard kennen.

Die Plünderungen von Küstenstädten und die Beraubung von Schiffen waren dabei nicht nur schlecht für den Handel, sondern führten auch dazu, dass viele Kulturgüter für uns für immer verloren sind. Egal ob eingeschmolzenes Metall oder Schiffe, die mitsamt ihrer Ladung sanken.

Über die Politik der Piraten
Aber auch, wenn man ihnen keinen Sinn für Kunst und Kultur nachsagen kann, ist den Piraten aus heutiger Sicht ein gewisses innovatives Denken im politischen Bereich nicht absprechbar. Denn das Leben auf einigen der Schiffe hatte sehr demokratische Züge.

Ob bei der Wahl des Kapitäns, bei der jeder Mann der Besatzung eine gleichwertige Stimme hatte oder bei der Aufteilung der Beute, bei der lediglich die Neulinge in der Mannschaft und der Kapitän und der Steuermann die Ausnahmen bildeten. Erstere erhielten einen Halben Anteil, letztere den Doppelten. Auch wird Ende des 17. Jahrhunderts von einer sozialistischen Piratenrepublik namens „Liberta“ auf Madagaskar berichtet.

Oftmals verbindet man das Freibeuter-Treiben mit den Inselstaaten der Karibik. Im 17. Jahrhundert jedoch wechselten viele Piratenschiffe in den Indischen Ozean. Ganz wie Captain Jack Sparrow und seine Crew der Black Pearl (aus der Filmreihe „Fluch der Karibik“), die im dritten Teil von Fluch der Karibik nach Singapur segelten. Hauptstützpunkt war damals Madagaskar, war es bisher doch keiner europäischen Macht gelungen die Insel zu kolonisieren. Von dort aus machten die Piraten Jagd auf Schiffe der holländischen VOC oder der englischen East India Company, sowie der indischen Mogule oder auf arabische Pilgerfahrer.

Literarische Spuren
Doch schon Goethe ließ seine Figur Mephisto in „Faust“ ganz richtig bemerken:

„Man fragt ums Was und nicht ums Wie, Ich müsste keine Schifffahrt kennen: Krieg, Handel und Piraterie, Dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“

Und als sich die politische Lage in Europa wieder zuzuspitzen beginnt, kehren viele Piraten in die Karibik zurück. Denn die Kriege des Festlandes wurden auch auf dem Meer ausgetragen. Besonders England stellte nur zu gern Kaperbriefe aus. Diese erlaubten es den Mannschaften, die Schiffe der gegnerischen Nationen zu überfallen, ohne dafür eine Strafe fürchten zu müssen.

Erst mit dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges und dem Friedensvertrag von 1713 wurde diese Art der taktischen Kriegsführung abgeschafft. Dieser quasi-legalen Grundlage beraubt, wandten sich viele Schiffsbesatzungen der Seeräuberei zu und schädigten damit die Wirtschaft und den Handel ihrer vormaligen ‚Arbeitgeber‘.

Obwohl besonders England, der führenden Seenation, die ständigen Überfälle ein Dorn im Auge waren, war ihnen doch klar, dass ihre, vom Krieg dezimierte, Royal Navy nicht in der Lage dazu war, gegen die Übermacht der Seeräuber vorzugehen. Vor allem da die Mitglieder der Navy selbst kein großes Interesse an einer Ausrottung des piratischen Gewerbes hatten, verdienten sie sich doch ihren Teil dazu, wenn Kaufleute sie als Begleitschutz für ihre Schiffe buchen mussten.

Auswege aus dem Piratendasein!?
Allein gelassen von Krone und Vaterland nahm eine Gruppe Londoner Kaufleute und Reeder die Sache selbst in die Hand und übergab die Stelle des Gouverneurs der Bahamas an einen Mann, der das Milieu genau kannte: den ehemaligen Piraten Woodes Rogers. Dessen Taktik war keineswegs gewaltsam.

Stattdessen bot er seinen ehemaligen ‚Kollegen‘ ein Generalpardon der englischen Krone an, sollten sie sich sofort von der Piraterie lossagen. Zusätzlich wurde es ihnen erlaubt, sich als Siedler auf einem zugewiesenen Stück Land niederzulassen und somit ein ehrliches Leben zu beginnen. Wiesen sie allerdings sein Angebot ab, verfolgte er sie gnadenlos und führte sie ihrer vermeintlich gerechten Bestrafung am Galgen zu.

Verfolgt von ehemaligen Freunden blieb vielen Piraten, darunter Blackbeard und Stede Bonnet, nichts anderes übrig als sich andere Gewässer zu suchen. Doch auch an der nordamerikanischen Küste wurden sie von den Marineschiffen der Kolonien Virginia und South Carolina verfolgt. Die Tode Blackbeards – am Ocracoke Inlet – und Bonnets – bei Cape Fear – im Jahre 1718 markieren das Ende des „Goldenen Zeitalters“ der Piratenzunft.

(Text: Franziska Mayer / Foto: Esther Müller by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Franziska Mayer
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