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Das Geschäft mit der Nachhaltigkeit

Der Trend zum Ökotourismus

Es war nur eine Frage der Zeit, wann sich zu Veganismus, Ökostrom und Fair-Trade-Produkten ein neuer Trend gesellen würde. Dieses Mal ist es der Ökotourismus, der die Herzen von gelangweilten Großstädtern höher schlagen lässt. Doch auch er birgt Risiken.


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Auf Pfaden abseits der breitgetretenen Touristenwege wandeln, Schildkröten retten, Naturparks erkunden. Ökotourismus bietet die Möglichkeit, umweltschützend und nachhaltig zu verreisen, ohne Strandpromenaden zu vermüllen und das übliche Sightseeing zu betreiben.

Die Alternative zu überfüllten Hotels und Clubhotels auf den Kanaren ist das sogenannte Ecocamping in abgelegenen Wäldern, in denen man exotische Pflanzen und Tiere beobachten kann.

Natürlich lässt sich mithilfe dessen das persönliche Profil ein wenig verschönern. Man gibt sich naturverbunden und signalisiert, dass man dem Massentourismus den Kampf ansagt. Genau, wie vorher schon der Massentierhaltung.

Daran ist zwar nichts Negatives zu finden und doch hilft es nicht, die ausbeuterischen Methoden der Branche zu verhindern. Der neue Trend eröffnet viel mehr einen neuen Zweig im Tourismus, der ortsansässigen Betrieben und dem Staat Geld verspricht. Die Tourismus-Maschinerie arbeitet so trotzdem wieder und der Ökotourist kann sich dem nicht entziehen.

Schließlich sind es oftmals Entwicklungsländer, in denen er die Welt verbessern will. Doch sobald sich eine große Menge an Leuten für den Schutz des Regenwaldes interessiert und ihn erkunden will, wird dies zum lukrativen Geschäft.

Die verschlungenen Pfaden werden glatt gebügelt, die als störend empfundenen indigenen Bevölkerungsgruppen vertrieben und die Infrastruktur ausgebaut. Die guten Absichten, die man den Ökotouristen unterstellen kann, führen zum Gegenteil.

Das Projekt Regenwaldretten ist dann gescheitert. Was bleibt, ist ein Hauch von Öko und eine Masse an Touristen, denn kein Land möchte nur einen Besucher pro Tag in seinem Nationalpark wissen. Was der Ökotourist ebenfalls außer Acht lässt: Falls er nicht gerade zu seinem Reiseziel mit dem Fahrrad fährt oder pilgert, nimmt er das Flugzeug in Anspruch, dessen Kerosinverbrauch nicht gerade von Umweltfreundlichkeit zeugt.

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Wer den Begriff Ökotourismus richtig interpretiert, ist zum Beispiel Gast bei Jorgos und Spyros auf Kreta. Zwischen den Bergen, in der kleinen Siedlung Milia, bauten die beiden ihre Ferienwohnungen, die nicht spartanisch, sondern typisch kretisch eingerichtet sind.

Ganz im Gegensatz zu dem traditionellen Ambiente steht die Modernität, mit der Jorgos und Spyros Elektrizität aus einer Sonnen- und Windanlage gewinnen. Das Essen, das sie servieren, folgt ebenfalls dem Ökokonzept. Keine Zutat wird importiert, dafür sind die Gerichte aber saisonabhängig.

Statt eines Autos sollten während eines solchen Urlaubes natürliche Fortbewegungsmittel zum Einsatz kommen: zu Fuß, zu Pferd oder zu Wasser. Den bereisten Ort kann man so am Schonendsten erkunden und sich bei einem Ausritt oder Spaziergang von Einheimischen begleiten lassen, um den Charakter der Umgebung wirklich einzuatmen.

Wer nach wie vor Schildkröten retten möchte, sollte sich für sein Unterfangen jedoch mehr Zeit nehmen: Ein zweiwöchiger Aufenthalt reicht für größere Projekte kaum aus. Denn, wer wirklich ökologisch und nachhaltig agiert, der tut es nicht als Tourist.


Weitere Informationen zu:

Ecocamping
Schildkröten retten
Ökotourismus auf Kreta

(Text: Ronja Heintzsch / Foto: Stefan Franke by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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