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Das facettenreiche Leben Friedrichs des Großen

300. Geburtstag eines Freigeistes

Am 24. Januar 2012 wäre Friedrich der Große, wie der Preußenkönig Friedrich II. von seinem Volk genannt wurde, 300 Jahre alt geworden. Anlässlich dessen ist seine Residenz Sanssouci und der Schlosspark die Kulisse für die Ausstellung „Friederisiko“ der SPSG. Doch was macht den Alten Fritz so besonders?


Friedrich der Große war eine sehr komplexe Persönlichkeit, die sich über sein ganzes Leben hinweg immer wieder wandelte. Als Sohn Friedrich Wilhelms I., der als „Soldatenkönig“ in die Geschichte einging, hatte Friedrich II. einen schweren Stand. Denn als ganzes Gegenteil seines Vaters, der das Militär liebte und zwei Drittel der preußischen Einnahmen in eben dieses investierte, widmete sich sein Sohn lieber der Philosophie, Musik und der Dichtung.
Die dadurch entstehenden Konflikte belasteten nicht nur die Beziehung zwischen Vater und Sohn, sondern auch zwischen Friedrichs Eltern.Seine Mutter, Königin Sophie Dorothea von Hannover, sah in Friedrichs eher künstlerischen Neigungen die Möglichkeit, etwas Großes aus ihm zu machen und spielte so gegen ihren eigenen Mann. Liebe bekam der junge Kronprinz aber auch von ihr nicht.

Einen Gleichgesinnten fand Friedrich in seinem Jugendfreund Hans Hermann von Katte, welcher genau wie Friedrich Flöte spielte und gern dichtete. Im Gegensatz zu seinem Freund, der das Militär verabscheute, war von Katte Mitglied der preußischen Elitekavallerie „Gens d‘armes. Auch in Friedrichs Fluchtversuche war von Katte eingeweiht, was ihm später den Kopf kostete. Denn als Friedrich auf einer Reise mit seinem Vater nach Mainz versuchte, dem strengen Regiment des Vaters endgültig  zu entkommen, wurde sein Vorhaben, noch bevor er losritt, aufgedeckt. Friedrich wurde gefangen genommen und sollte wegen Hochverrats hingerichtet werden. An seiner Stelle aber wurde von Katte als Mitwisser enthauptet. Friedrich wurde von seinem Vater gezwungen, dabei zuzuschauen.

Als Friedrich dann auf Wunsch seines Vaters mit Elisabeth Christine von Baunschweig-Wolfenbüttel-Bevern verheiratet wurde, konnte sich Friedrich seinem Vater endlich ein stückweit entziehen und residierte im brandenburgischen Rheinhausen. Hier widmete sich er dem Studium der Philosophie, Musik und der Dichtung und wurde zu einem Menschen, der seine eigene Persönlichkeit hinter einer neuen Fassade verbarg. Er äußerte im Gegensatz zu seinen eher rebellischen Jahren am Hofe des Vaters seine wirklichen Gedanken nicht mehr allzu oft und auch das Aufbegehren gegen den Vater versiegte. Vielmehr spielt er die Rolle, die gerade von ihm erwartet wurde, außer in Bezug auf seine Frau. Diese blieb kinderlos und wurde nach dem Bau von Sanssouci vom Hof ferngehalten.

Nach dem Tod Friedrich Wilhelms I. im Jahre 1740 war Friedrich noch sehr daran interessiert, die alten Strukturen seines Vaters im Reich zu erneuern. Doch als im selben Jahr auch Kaiser Karl VI. starb und keinen Thronerben hinterließ, sondern nur seine Tochter Maria Theresia, trat an die Stelle des Schöngeists Friedrichs der Drang nach Ruhm und die Möglichkeit, aus Preußen endlich eine Großmacht zu formen. Obwohl das Haus der preußischen Hohenzollern mit den österreichischen Habsburgern befreundet war, griff Friedrich 1640 Schlesien an, da er von Maria Theresia, die ihrem Vater auf den Thron gefolgt war, keine ernsthafte Gegenwehr erwartete. Nach langen Kämpfen siegte er und so wurde aus dem Flickenteppich Preußen endlich eine zusammenhängende Großmacht.

Veranlasst durch seine militärischen Siege plante Friedrich seinen Prunkbau Sanssouci („Ohne Sorge“), der 1747 eingeweiht wurde. Hierher zog der König sich zurück und lebte den durch den Vater lange unterdrückten Traum von Musik und Philosophie. Die größten Köpfe seiner Zeit lud Friedrich zu sich in das Schloss ein. Darunter vor allem sein Idol: Der französische Philosoph Voltaire.

Frankreich war zu dieser Zeit führend im europäischen Mächtekonzert und auch kulturell beeinflussten die Bourbonen ganz Europa. So auch Friedrich und seine Lebensführung, vor allem seine Sprache. Denn angeblich beherrschte er Französisch besser als seine Muttersprache. Doch Frankreich stellte sich gegen Friedrich, denn Preußen war zu mächtig geworden.

Deutschland als ein Land gab es zu dieser Zeit nicht und trotzdem sah das Volk ihn als deutschen König an und nahm sich zum ersten Mal als ein Volk wahr.

Der Weg Friedrichs II. vom rebellierenden Kronprinz über einen Maskenträger bis hin zum größten Feldheer seiner Zeit zeigt auf beeindruckende Weise warum er zu Recht „der Große“ genannt wurde. Groß war auch sein Traum, ein Leben für die Kunst zu führen, was sich im vollen Ausmaß an Sanssouci zeigt.

Im Rahmen der Ausstellung „Friederisiko“ (28. April – 28. Oktober 2012) können nun einige Säle des Schlosses erstmalig betreten werden und auch der Schlosspark bietet einiges an Entdeckungen. Wer dem „Alten Fritz“ einen Besuch abstatten will, lernt sein faszinierendes Wesen auf eine lebendige Art und Weise kennen.

(Text: Julia-Friederike Barbier)

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Über den Autor

Julia-Friederike Barbier
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