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Das Böse siegt immer

Klaus Allofs und sein Wechsel zum VfL Wolfsburg
allofs
Die Spatzen pfiffen es schon seit Wochen von den Dächern in Wolfsburg und Bremen, nun ist es amtlich. Manager Klaus Allofs wechselt von Werder in die Autostadt, dabei hinterlässt er große Fußstapfen und auch eine bittere Erkenntnis: Das Böse siegt immer.

Die Frage sei erlaubt: Was will ein erfolgreicher, sympathischer Mensch beim VfL Wolfsburg? In der Stadt, die nicht viel mehr zu bieten hat als ein überdimensionales VW-Zeichen. Und dem Verein, der nicht viel mehr zu bieten hat als eine unterirdische Halbwertzeit seiner Verantwortlichen.

Klaus Allofs hat diese Frage – ganz norddeutsch – geschickt umschifft, er sprach von „neuer Herausforderung”. Und dass der Wechsel auch für Werder Bremen eine tolle Chance bieten würde. Sicherlich, die Hanseaten können frische Luft gut gebrauchen, immerhin sind sie seit zwei Jahren nicht mehr im europäischen Fußball vertreten.

Werder-Ehe getrennt
Dennoch war Werder so etwas wie die letzte Bastion im modernen deutschen Fußball. Zumindest Allofs und sein kongenialer Trainer-Partner Thomas Schaaf verkörperten eine Konstanz, die in den letzten Jahrzehnten verloren gegangen schien. Nun ist auch diese Ehe in einseitiger Form getrennt worden.

Geld, Ruhm, Ehre – was kann Allofs in Wolfsburg erwarten? Wieso diese Form der Herausforderung, wieso vom Gutmenschenverein zur dunklen Seite der Macht? Denn Wolfsburg symbolisiert den Wohlstand, den Allofs bei Werder nie hatte. Der VW-Konzern pumpt seit Jahren massive Gelder in den Klub, der Ertrag blieb bisher weitgehend aus.

Mit drei bis vier Millionen Euro wird der neue Wolfsburger Sportchef wohl doppelt so viel verdienen wie in Bremen. Zudem stehen ihm wohl auch mindestens doppelt so hohe Mittel für Transfers zur Verfügung. Wahrscheinlich nahm – wie so oft – der monetäre Faktor einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf die Wechselentscheidung.

Chance und Risiko zugleich
In den 13 Jahren, die Allofs bei Werder am Ruder war, verschliss sein neuer Arbeitgeber immerhin acht Manager. Der größte Fehlschlag der VW-Clique war wohl die Rückholaktion des antiquierten Felix Magath. Allofs wird eine ganz andere Linie fahren als sein Vorgänger.

Für die Autostadt mit dem grauen Fußballklub stellt Allofs eine grandiose Chance dar, endlich Profil zu gewinnen. Die Zeit des nichtssagenden Vereins, der irgendwie vor ein paar Jahren die Meisterschaft holte, soll endlich vorbei sein. Man sehnt sich nach einer goldenen statt grauen Zukunft.

Wie sehr ein solcher Kulturwechsel jedoch scheitern kann, zeigte nicht zuletzt die Demission von Holger Stanislawski bei der TSG Hoffenheim vor einem Jahr. Vom Kultklub St. Pauli war der Trainer nach Sinsheim zum Hopp’schen Verein gewechselt, und dort glorreich gescheitert.

Für Wolfsburg ist der Transfer von Allofs also eine tolle Chance, für den Manager selbst birgt er Risiken. Doch eines hat der Wechsel – als hätte es noch irgendeines Beweises bedurft – mal  wieder offenbart: Das Böse siegt immer. Mal schauen, wie lange man in Wolfsburg diesmal jubelt.

(Text: Jerome Kirschbaum / Foto: bremer sportbild dienst (bsd) flickr.com nach Creative Commons)

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Über den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten über Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling für back view, neben den Leibesübungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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