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Cowboy, Luxus und Heimatverbundenheit

Sommerpause: Wie Politiker ihre zu oft inszenierten Ferien verbringen

Sommer, Sonne, Palmen. Oder doch lieber Alpsee, Wandern und Käsespätzle? Entspannen, Rucksacktour, endlose Weiten, Städtereisen. Kaum ein Thema spielt für den Menschen in Deutschland eine solche Rolle wie der heiß ersehnte Urlaub. Und während man sich bei der Entscheidung an persönlichen Vorlieben und dem nötigen Kleingeld orientiert, wird man von inszenierten Urlaubsbildern der Politiker überflutet.

Von Texas über Mittelmeer und Alpen hin zur Mongolei. Die künstlich dargebotenen Urlaubsfotos und Schnappschüsse strapazieren nicht nur das politische Image sondern auch das Publikum.

Endlose Weiten, Pferde, der Marlboro-Mann. Crawford, Texas. Hier steht die Ranch von US-Präsident George W. Bush, sein Rückzugsort vom Weißen Haus. Mit 421 Urlaubstagen in nicht einmal 7 Jahren Amtszeit hat Bush junior cbsnews nach so viele Urlaubstage wie keiner seiner Vorgänger der jüngeren US-Geschichte zuvor.
Doch lässt er dort die Politik hinter sich? Man kennt die Bilder von Kettensägen und Cowboy-Hüten, so kumpelhaft und bodenständig. Doch die Kritik bricht nicht ab, ist das Land, das Bush regiert, von immer mehr Problemen beherrscht. Das Klischee des freien Mannes, des grenzenlosen Cowboys erfüllt seine Dienste.

Eine weiße Yacht vor der Küste Maltas, ein braun gebrannter Wahlsieger. Wer erinnert sich nicht an die Bilder des französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy nach dessen Sieg über Madame Royal im Mai diesen Jahres. Vor seiner Amtseinführung ließ sich Sarkozy noch kurz von dem französischen Unternehmer Vincent Bolloré zum Entspannen einladen, natürlich mit gebührendem Luxus. Ob das die gebotene Neutralität eines Politikers gefährdet? – Aber nein!

Und wenn einen der Urlaub so verbindet, dann kann man auch ein Staatstreffen ganz laisser-faire organisieren. Sarkozy macht Urlaub mit Bush – so lauteten die Schlagzeilen vor zwei Wochen, als Bush den französischen Präsidenten während dessen USA-Urlaub zum traditionellen Picknick einlud. Und zwischen Hamburgern und Hotdogs wurden während des „informellen Treffens” freundschaftliche Beziehungen demonstriert.

Die medial inszenierten Ereignisse finden kein Ende. Wladimir Putin zu Pferde, oberkörperfrei beim Fischen oder im Tarnanzug. So sehen „waschechte” Ferien in Tuva, nördlich der Mongolei aus. Zusammen mit Fürst Albert von Monaco wurde echte Männerfreundschaft vorgeführt.

Und was macht die Bundeskanzlerin? „Vielleicht haben auch Sie die Möglichkeit, einmal in diesen Tagen neue Gegenden Deutschlands zu entdecken, die Ihnen  noch nicht so bekannt sind”, äußert sich Angela Merkel in ihrem Video Podcast vom 21. Juli. Die Kanzlerin bleibt in der Nähe. „Auch ich werde einige Tage frei nehmen und  freue mich darauf, etwas auszuspannen, Bücher zu lesen und mehr Zeit in der Natur  zu verbringen”, berichtet sie weiter. Und ja, Frau Merkel hat vorbildlich Urlaub gemacht. In Bayreuth hat sie die Musik genossen, danach ging es nach Salzburg. „Einmal ausschlafen” hat sich die Bundeskanzlerin in einem Interview mit Peter Kloeppel/RTL gewünscht.

Kurt Beck setzt auf Radeln an der Mosel, Peter Struck plante eine Motorradtour durch Deutschland, Schäuble wollte an die Nordsee, Ursula von der Leyen zieht sich in die Almhütte in Kärnten zurück, Renate Künast entspannt in Schleswig-Holstein: So dröselte Der Spiegel die Urlaubsziele deutscher Politiker in der Sommerpause auf.
Fast einstimmig – Guido Westerwelle bevorzugt den sonnigen Süden – entschieden sie sich für Deutschland und die nähere Umgebung. Ob die Kanzlerin Heimatverbundenheit verordnet hat?

(Text: Julia Kilian)

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Julia Kilian
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