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Conga no va – der Wassermarsch in Peruu

Ja zum Wasser – Nein zum Gold

Peru, 9. Februar 2012: etwa 1500 Menschen protestieren auf dem Plaza San Mart√≠n in Lima gegen eine geplante Gold- und Kupfermine. ‚ÄěAgua s√≠, oro no‚ÄĚ rufen sie, und „¬°Conga no va!“ – aus der Goldmine Conga wird nichts. Nach 800 Kilometern erreicht ein Protestmarsch hier seinen H√∂hepunkt.


Hunderte Demonstranten sind schon seit gut einer Woche unterwegs auf dem Marsch, der am 1. Februar seinen Anfang in Cajamarca im Nordosten Perus fand. Etwa 800 Kilometer haben sie zur√ľckgelegt, zu Fu√ü, in Bussen und in LKWs. Andere sind unterwegs dazugesto√üen und viele haben sich extra heute hier auf dem Platz versammelt.

Conga ist der Name einer geplanten Gold- und Kupfermine in der Region Cajamarca, die ab 2015 den Betrieb aufnehmen und bis dahin 4,8 Milliarden US-Dollar verschlingen soll. Hauptinhaber der Mine w√§re die US-amerikanische Firma Newmont Mining, die auf f√ľnf Kontinenten Bergbau betreibt und zu den weltweit gr√∂√üten Goldproduzenten geh√∂rt.

F√ľr die Investoren und Projektleiter verspricht die Mine hohe Gewinne und f√ľr die peruanische Regierung stellt sie eine gro√üe Chance dar, ihre Stellung im internationalen Bergbau-Business auszubauen. Ein Teil der Einnahmen soll der Bev√∂lkerung um die Mine herum zugutekommen und deren Lebensbedingungen verbessern.
Obwohl Cajamarca bereits Heimat der zweitgr√∂√üten Goldmine der Welt ist und Investoren entsprechende Gewinne erzielen, geh√∂rt die Region zu den √§rmsten √ľberhaupt in Peru. Gut drei Viertel der Cajamarquinos leben unterhalb der Armutsgrenze.

Furcht vor Auswirkungen auf Natur und Landwirtschaft

Ob eine zweite Mine den Reichtum, den die Arbeiter aus der Erde f√∂rdern, ein wenig ausgeglichener verteilen w√ľrde, ist fraglich. Der eigentliche Grund, warum das Projekt soviel Widerstand erzeugt, ist jedoch ein anderer: Conga w√ľrde vier gro√üe Seen trockenlegen, die Cajamarca mit Wasser versorgen und mehrere Fl√ľsse sowie das Grundwasser speisen.

Obwohl die peruanische Regierung verspricht, die Seen mit vier k√ľnstlichen Wasserreservoirs zu ersetzen, die zusammen eine dreimal gr√∂√üere Kapazit√§t haben sollen, ist dies f√ľr die Bev√∂lkerung nicht ausreichend.
Die Sorgen √ľber einen m√∂glichen Wassermangel und fatale Folgen f√ľr die √∂rtliche Flora und Fauna beherrschen die Debatte. Hinzu kommt, dass die gro√üe Mehrheit der Bewohner Cajamarcas Bauern sind, die von vier unterschiedlichen Mikroklimata profitieren, die durch die Seen hervorgerufen werden.
Nun bef√ľrchten diese, dass ihre Ernteertr√§ge leiden und der Boden erodiert werden k√∂nnten. Die negativen Konsequenzen des Bergbaus sind f√ľr sie keine reine Theorie – die Goldmine Yanacocha ist ebenfalls ganz in der N√§he und bringt √§hnliche Probleme mit sich, wie sie auch von Conga bef√ľrchtet werden.

Seit Ende November gehen deswegen Tausende auf die Stra√üen, um die Umsetzung des Projekts zu verhindern. Nachdem die Stra√üen zur Mine Yanacocha blockiert wurden und die Proteste immer mehr in Gewalt ausarteten, lie√ü Pr√§sident Ollanta Humala am 1. Dezember den Ausnahmezustand ausrufen, der alle Streiks und Demonstrationen au√üer Kraft setzte. Am 20. Dezember kehrte das Land zum Normalzustand zur√ľck und der Wassermarsch im Februar war der bisherige H√∂hepunkt der wiederaufgenommenen Proteste.

Als Antwort auf den Widerstand der Bev√∂lkerung wurden die Bauarbeiten an der Mine Anfang Dezember ausgesetzt und befinden sich noch immer in der Schwebe. Ende Februar schlie√ülich ernannte die Regierung drei unabh√§ngige Berater aus Europa, die das Gefahrenpotential der Mine analysieren sollen, um dann √ľber weitere Schritte und die Zukunft des Projekts zu entscheiden.
Der Governeur von Cajamarca, Gregorio Santos, weigert sich jedoch, die Arbeit der Berater anzuerkennen. Er bef√ľrchtet, sie k√∂nnten nur Puppen sein, die die Pl√§ne der Regierung verharmlosen und guthei√üen sollen. Vergangene Woche erst k√ľndigte er die Gr√ľndung eines eigenen Beraterteams an, das ebenfalls die m√∂glichen Auswirkungen auf das Wasser und die Umwelt untersuchen soll.

Politische Interessen erschweren die Verhandlungen
Eine Tatsache, die die Fronten möglicherweise besonders verhärten lässt, ist, dass Staatschef Humala erst seit Sommer 2011 im Amt ist und sich nunmehr bei den ersten größeren Unruhen seines Landes beweisen muss.
Versprach er noch im Wahlkampf, sich um die Sorgen der Anwohner in Gebieten des Bergbaus zu k√ľmmern und insbesondere nie die Interessen nach Gold √ľber die Notwendigkeit des Wassers zu stellen, f√ľhlen sich nun viele von seiner Politik im Stich gelassen.

Besonders deutlich wurde seine neue Position, als sein Kabinett w√§hrend des Ausnahmezustands zur√ľcktrat und er Oscar Valdes, den Leiter der Operation, die die Proteste niederschlug, in das Amt des Premierministers erhob. M√∂glicherweise m√∂chte er durch sein Verhalten eine Br√ľcke zur Oppositionspartei schlagen, die in der Vergangenheit kritisierte, dass viele Bergbauprojekte am Widerstand der Bev√∂lkerung scheitern.

So √ľberraschend die Sinneswandlung des Pr√§sidenten aber auch sein mag: Unleugbar ist auch die Tatsache, dass ein Scheitern von Conga keine gute Voraussetzung f√ľr die Realisation weiterer Projekte ausl√§ndischer Investoren w√§re. Dies ist jedoch genau das, was Peru dringend ben√∂tigt, um das derzeitige Wirtschaftswachstum aufrecht zu erhalten. Denn √ľber die H√§lfte aller Einnahmen aus dem Export werden mit Bergbauerzeugnissen erzielt.

Newmont Mining selbst w√§re die Umsetzung des Vorhabens in den Anden ganz recht. Der Gesch√§ftsf√ľhrer Richard O’Brien gab aber bereits bekannt, dass das Geld im Falle des Scheiterns des Projekts eben einfach in andere Minen gesteckt w√ľrde. Die Bewohner von Cajamarco hoffen deshalb, dass ihr Marsch ein fr√ľhzeitiges Ende des Projekts einleitet, werden aber vorerst weiter f√ľr das Wasser und gegen das Gold k√§mpfen m√ľssen.
Erste Ergebnisse des Beratertrios der Regierung werden erst Mitte April erwartet – √ľber die genauen Pl√§ne des anderen, von Governeur Santos versprochenen Teams, ist noch nichts weiter bekannt.

(Text: Janine Schulz)

 
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Janine Schulz
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