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Chroniken einer Legende

Wimbledon lädt zum 125. Mal zum Spektakel ein
Seit dem 20.06.2011 läuft das älteste Tennisturnier der Welt. In London spielen Hunderte Tenniscracks um den begehrten Titel. Große Namen und epochale Schlachten produzierte das dritte aller Grad-Slam-Turniere in der Vergangenheit, die bis in 19. Jahrhundert reicht. Die Chroniken einer Legende.


1877 fanden 22 Engländer zusammen, um in Wimbledon die Premiere zu feiern. Spencer W. Gore verließ den Platz als erster Titelträger. Damals war die Teilnahme ein britisches Privileg, erst 1910 wurden auch internationale Akteure eingeladen.

Schaulaufen in weiß
Beim All England Lawn Tennis Championships, wie das Turnier in voller Ausf√ľhrung hei√üt, wird nicht nur Tennis gespielt, es ist ein wahres Schaulaufen der Edlen. Ganz in Wei√ü m√ľssen sie ihre Schl√§ger schwingen. Wenn sie nicht m√ľssten, sie w√ľrden es wohl auch so machen. Im Vergleich zu den anderen Grand Slam Turnieren in Paris, Melbourne und New York kokettieren die Spieler gerne mit snobartig anmutender Exklusivit√§t. Es erinnert ein wenig an das Formel-1-Rennen in Monaco, ein Fest der Reichen und Sch√∂nen.

Nebenbei wird jedoch auch feinstes Tennis gespielt. Beim einzigen gro√üen Turnier, das noch auf Rasen firmiert, demonstrieren die ganz Gro√üen noch gr√∂√üere Technik. Roger Federer ist hier im letzten Jahrzehnt federf√ľhrend gewesen.

Rekorde und Geschichtsb√ľcher
Absolute Rekordhalter sind jedoch Martina Navr√°tilov√° mit neun Siegen und Pete Sampras mit derer sieben. William Renshaw mit ebenfalls sieben Erfolgen war der Herrscher √ľber den ‚Äěheiligen Rasen“ in den 80-ern des 19. Jahrhunderts. Auch Bj√∂rn Borg dr√ľckte dem Prestige-Turnier mit f√ľnf Siegen in Serie 1976 bis 1980 seinen Stempel auf. Mit Boris Becker dominierte auch ein Deutscher Mitte der 80-er-Jahre das Geschehen im Stadtteil Londons.

Das Turnier ist auf dem Court √ľberaus umk√§mpft, es geht um die Aufnahme in die Geschichtsb√ľcher. Auch auf den R√§ngen geht es jedoch legend√§r zu. Mehrere zehntausend Tonnen Erdbeeren werden von Seiten der Zuschauer verputzt – ein eingebranntes Bild: Erdbeere, Schlagsahne, Sonnenbrille, Tennis gucken.

Bei 41 967 Zuschauern liegt die Rekordmarke im Jahre 2003. Obwohl grunds√§tzlich nur 34.800 Zuschauer rein gelassen werden. Wer viel zahlt, darf auch rein. Der Rest muss warten, bis einige das Gel√§nde verlassen. Erst dann d√ľrfen sie ins Stadion. Der Kampf um die Eintrittskarten ist erbittert, denn nur 500 f√ľr die beiden Hauptpl√§tze gelangen pro Tag in den freien Verkauf.

Fred Perry РLegende und Modeschöpfer
Letzter englischer Titeltr√§ger war ‚ÄěSir“ Fred Perry von 1933 bis 1936. Nach seinem gro√üen Erfolg machte er sich Jahrzehnte sp√§ter einen Namen als Modesch√∂pfer. Weil die Akteure 1974 mit gr√ľnen Armeehemden spielten, designte Perry 75 wei√üen Hemden nach klassischem Wimbledon-Muster. Diese schenkte er den Spielern. Im Gegenzug bedankten sich die Tennisspieler, indem sie einen Lorbeerkranz in Gedenken an Perry aufs T-Shirt hefteten. Die Marke Fred Perry samt Lorbeerkranz war geboren.

Die Poloshirts wurden später vor allem bei Skin-Heads beliebt, dieser Gestank haftet der Marke bis heute an. Insbesondere in Ostdeutschland trugen Neonazis die Shirts. Markenvertreter wehrten sich jedoch stets erfolglos gegen eine politische Instrumentalisierung.

Seitdem d√ľrstet ganz England nach einem Erben Perrys. Die Fu√üstapfen sind gro√ü, doch derzeit ist kein Nachfolger in Sicht. Die Insel muss weiter warten auf den n√§chsten Sieger aus ihren Reihen warten.

Helden werden geboren
Am 24.06.2010 schrieben John Isner und Nicolas Mahut Geschichte. Mit insgesamt elf Stunden und f√ľnf Minuten schlugen sie die l√§ngste Schlacht der Wimbledon-Geschichte. Weil es in London keinen Tie-Break im letzten Satz gibt, endete das Spiel 6:4, 3:6, 6:7 (7:9), 7:6 (7:3), 70:68 f√ľr Isner.

Obwohl es ein Erstrundenmatch war, gingen beide in die Annalen des Turniers ein. Eines Turniers, das epische Ausmaße annehmen kann. Das Helden produziert wie kein zweites. Eine Legende in London, derer Chroniken unvergessen bleiben.

(Text: Jerome Kirschbaum)

 
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√úber den Autor

Jerome Kirschbaum
Ressortleiter Sport

Jerome Kirschbaum schreibt am liebsten √ľber Sport, wenn er denn nicht selbst auf einem Platz steht. Seit Oktober 2010 verdingt sich Jerome als Schreiberling f√ľr back view, neben den Leibes√ľbungen widmet er sich sich auch politischen Themen. Im wahren Leben musste Jerome zahlreiche Semester auf Lehramt studieren, um dann schlussendlich doch etwas ganz anderes zu werden.

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