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Von der Fast-Pleite zum Meistertitel

Seit dem 2:0 gegen Nürnberg ist der BVB Deutscher Meister

Sie haben es geschafft – der Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund ist der neue Deutsche Meister der 1. Fußball-Bundesliga. Mit einem souveränen 2:0 Erfolg über den 1. FC Nürnberg sicherten sich die Schwarz-Gelben am gestrigen Nachmittag den ersten Meistertitel seit 2002 – damals noch unter dem heutigen Sportdirektor des DFB, Matthias Sammer.

 

Die Partie gegen die Franken verlief typisch für den BVB. Zwar wirkten die Westfalen zu Beginn des Spiels ein wenig nervös. Dies aber änderte sich schlagartig nach den Toren durch Lucas Barrios (32.) und Robert Lewandowski (43.). Danach ließen sich die Dortmunder nur noch selten aus der Ruhe bringen und die gewohnt sichere Defensive ließ nichts mehr anbrennen. Da Leverkusen seine Hausaufgaben in Köln nicht erledigen konnte und  mit 2:0 verlor, war dem BVB die siebte Deutsche Meisterschaft nicht mehr zu nehmen. Über die 0:2-Niederlage gegen Bremen von vergangenem Spieltag kann man aufgrund von erhöhter Partylaune getrost den Mantel des Schweigens legen.

Dortmunds meisterliche Saison
Eine Meisterschaft wird  jedoch bekanntlich nicht an einem Tag gewonnen, sondern über eine ganze Saison. Eine Spielzeit, in der der BVB kontinuierlich gute Leistungen erbrachte und am Ende eines Spiels meistens auf der Siegerseite stand, bisher insgesamt 22 Mal. Großen Anteil an diesem Titel  hatte vor allem Trainer Jürgen Klopp, der Architekt des Erfolgs, der das Lob, das am gestrigen Tage insbesondere auch auf ihn einprasselte, umgehend an seine Mannschaft weitergab: „Die Mannschaft hat Außergewöhnliches geleistet, Maßstäbe gesetzt, ist mit jeder Drucksituation unglaublich gut umgegangen. Was die Jungs geleistet haben, das ist nicht in Worte zu fassen“, zog er verbal den Hut vor seinem Team.

Auswärtssieg-Vereinsrekord, Aus in der Europa League, Herbstmeisterschaft
Die Hinrunde verlief für die Dortmunder überaus erfolgreich. Die Niederlage am ersten Spieltag gegen Leverkusen (0:2) sollte der Startschuss für eine unglaublich tolle Hinrunde des BVB werden, auch wenn das zu diesem Zeitpunkt wohl niemand erwartet hätte. Es folgten zwei lange Erfolgsserien von jeweils sieben Siegen in Folge, nur unterbrochen durch ein Unentschieden gegen Hoffenheim am neunten Spieltag (1:1).
So stellte die Borussia einen neuen Auswärtssieg-Vereinsrekord von achten Siegen in Folge auf, der erst am 17. Spieltag durch eine 1:0-Niederlage bei Eintracht Frankfurt gestoppt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war Dortmund die Herbstmeisterschaft bereits nicht mehr zu nehmen.
Trotz der beinahe unfassbaren Erfolgsgeschichte in der Bundesliga scheiterten die Dortmunder bereits in der Gruppenphase der UEFA Europa League. Im entscheidenden Duell beim FC Sevilla verpassten die Schwarz-Gelben durch ein 2:2-Unentschieden die Qualifikation für die Runde letzten 32.

Spannungsmache nur von außen

Auch in der Rückrunde spielte der BVB seinen unbekümmerten und vor allem erfolgreichen Stil weiter, obwohl sich Spielmacher Shinji Kagawa beim Asien Cup in Katar einen Mittelfußbruch zuzog. Das Team von Jürgen Klopp ließ sich weder von diesem noch von irgendeinem anderen kleineren Rückschlag aus der Bahn werfen. So standen die Dortmunder nach dem 29. Spieltag nur noch fünf Zähler vor Bayer Leverkusen, auf die sie fünf Wochen zuvor noch ein komfortables Kissen von zwölf Punkten hatten. Doch sowohl die Verantwortlichen als auch die Spieler blieben gelassen und ließen sich von der medialen Spannungsmache nicht aus der Ruhe bringen. Nur drei Spieltage später waren die Borussen Deutscher Meister und die schwarz-gelbe Herrlichkeit nahm ihren Lauf.

Die Rettung kurz vor der Guillotine
Diesen Triumph hielten noch wenige Jahre zuvor weder Verantwortliche noch Spieler für möglich. Im Jahr 2005 stand Borussia Dortmund kurz vor der Insolvenz, ehe Präsident Reinhard Rauball und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke den Verein noch im letzten Moment retten konnten. Es folge die Phase der finanziellen Konsolidierung, mit der eine deutliche Senkung des Etats für die Bundesligamannschaft einherging. So waren die Jahre von 2005 bis 2008 geprägt von sportlicher Magerkost und Rumpelfußball. Der Sieg im Derby gegen Schalke im Mai 2007, der die Königsblauen die Meisterschaft kostete und das Erreichen des DFB-Pokalfinales im April 2008 waren die Tropfen auf den heißen Stein, die die Fans der Dortmunder für das ansonsten Gezeigte nicht entschädigten.

Aufschwung dank Klopp
In der darauffolgenden Saison wurde Jürgen Klopp als neuer Trainer verpflichtet. Mit ihm ging es fortan stetig bergauf. In seiner ersten Saison beim BVB verpasste sein Team  mit Platz sechs das internationale Geschäft nur knapp. Im Jahr danach sollte es allerdings mit dem fünften Platz für die Qualifikation der Europa League reichen.

In diesem Jahr wurde nun das Unmögliche möglich gemacht und der BVB steht bereits seit dem 32. Spieltag als Deutscher Meister fest.  Am 34. Spieltag wird Liga-Präsident Reinhard Rauball den Dortmundern nach dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt die Meisterschale überreichen. Danach ist eine große Meisterfeier auf dem Borsigplatz geplant.
Wer vor sechs Jahren auf diesen Titel der Borussia auch nur einen Euro gewettet hätte, wäre heute wahrscheinlich Millionär.

(Text: Patrick Schmid)

 
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