Du bist hier: Home » Kultur » Bunte Ostereier

Bunte Ostereier

Tradition oder Grauen?

Die anhaltende Kälte hält das frische Grün der Knospen noch zurück. Geduldig wartet die Natur, bis ihre Zeit gekommen ist. Schade, denn ich sehne mich nach der Wärme, dem Ende der kalten, dunklen Jahreszeit und dem Duft des Frühlings. Wenn ich derzeit durch die Straßen gehe, sehe ich bunt geschmückte Hecken und kleine, kahle Bäume mit Ostereiern daran. Es sind Eier von Hühnern, quasi ihre Jungen. Das Haushuhn ist übrigens eine Züchtung des in Asien beheimateten Bankivahuhns, das in seiner unveränderten Form eine Brutsaison von zwei bis drei Monaten hat, wobei in zirka zwanzig Tagen Brut durchschnittlich fünf neue Leben entstehen.

Jetzt ist Ostern. In dieser Zeit wird in den christlichen Ländern der tote Nachwuchs der Hennen in den Vorgärten zur Schau gestellt. Ach nein – das sind ja neuerdings Plastikeier und nicht mehr als bunt gefärbte Erdöltropfen. Doch stehen sie als Symbol für den Entwicklungsstatus eines eierlegendes Tieres.

Stellen wir uns doch einmal vor, die Entwicklung auf der Erde wäre etwas anders verlaufen und vor eintausend Jahren wären grüne Aliens gelandet, die für ein paar Tage im Jahr tote Menschenbabys an die Bäume hängen würden, bunt bemalt, und so viel die Äste tragen. Vielleicht würden die Aliens auch irgendwann die echten Babys gegen Attrappen aus Plastik tauschen. Dann hingen sie symbolträchtig für die Nachkommen der Menschen an den Bäumen. Eine makabere Vorstellung, wie ich finde. Doch warum tun wir Menschen das mit den Sprösslingen der Hühner?

Osterei

Das Ei stand bereits vor tausenden Jahren als Zeichen für das neue Leben, und Ostern für den Neubeginn des Jahres. Im Christentum wurde es schließlich zum Symbol für die Auferstehung Christi. Außen hart und kalt wie der Fels, und innen mit einem neuen Leben. Ganz nach der Geschichte der Auferstehung. Zudem kam, dass seit dem Mittelalter der Verzehr von Fleisch und Eierspeisen in der Fastenzeit vor Ostern verboten war. Die Hühnereier haben sich in dieser Zeit jedoch angesammelt. Um sie haltbar zu machen, wurden sie gekocht und zu Ostern gegessen. Die traditionelle Farbe des Ostereis war übrigens rot und stand für das Blut Christus. Ab dem zwölften Jahrhundert wurden die Eier zu Ostern bunt, beklebt, bemalt, ausgeblasen und mit Wachs verziert. Dazu erfand man Spiele wie Eierschlagen (ich denke gerade wieder daran, was jetzt die Aliens machen würden) und Eierlaufen.

Aber zu Ostern gibt es auch den Osterhasen, der angeblich die bunten Eier legt. Wie das Ei stand auch der Hase in den alten Legenden für die Fruchtbarkeit und den erwachenden Frühling. Es gab also Parallelen zwischen dem Hasen und dem Ei und irgendwie kam dann alles zusammen. Regional kannte man übrigens anstelle des Hasen auch den Osterfuchs, den Osterhahn oder Kuckuck, die sich aber allesamt nicht durchgesetzt haben.

Aber zurück zu den Eiern. Für die Produzenten ist Ostern die Hochsaison schlechthin. Verbraucht der durchschnittliche Deutsche knapp über zweihundert Eier pro Jahr, steigert sich der Konsum an den Ostertagen um das vier- bis fünffache. Etwa 40 Millionen Legehennen sorgen für den begehrten Nachschub. Ein Drittel davon wird im Ausland zugekauft.

Die Zuchtbedingungen sind in Deutschland zwar – für jedes einzelne Tier betrachtet – schlecht, aber oft immer noch besser als anderswo auf der Welt. Nebenbei bemerkt halte ich Freilandhaltung mit vier Quadratmeter Auslauf für einen Vogel mit dieser Größe für sadistisch. Wobei viele der Tiere, die in Gruppen von 10.000 Tieren gehalten werden, zwar die Möglichkeit hätten den Stall zu verlassen, aber in der Praxis dies niemals in ihrem Leben erreichen. Nun, das ist besser als Käfighaltung, bei der die Tiere auf einem Drahtgeflecht stehen müssen, ohne Sitzstange oder Nest. Etwa fünf Tiere sind bei dieser Methode auf engstem Raum zusammengepfercht, obwohl sie in ihrem natürlichen Lebensraum eher Abstand von Artgenossen brauchen. Aber das nur am Rande. Denn egal, wie sie gehalten werden, es bedeute lebenslange Folter für jedes einzelne Tier.

Und genau das ist es, wofür ich das Ei heute am Baum hängen sehe. Es steht für die Missachtung des Lebens, die der Mensch dem Tier, ja dem Leben selbst entgegen-bringt. Es steht für die Qual jedes einzelnen Lebens, was nie seine einzigartige Geschichte erleben durfte, sich entwickeln, erkunden und erfreuen konnte. Denn das Leben ist mehr als das bloße Sein. Es bedeutet zu fühlen, die Welt zu erfassen, die Sonne zu sehen, und enthält die Liebe und das Glück. Auch wenn es der ein oder andere nicht glauben mag, das gilt für jedes Leben, nicht nur für die Menschen.

Also hängen wir fleißig die Eier auf und bemalen sie schön bunt, wie es die Aliens mit den Babys tun würden. Und vergessen wir nicht die Bedeutung weit hinter den alten Traditionen, und gedenken jedem einzelnen Tier, das seine Lebenszeit mit unsäglichem Leid für uns opfern muss. Erinnern wir uns mit jedem bunten Ei an über 22 Milliarden Hühner auf dieser Welt und dass sie nie so leben dürfen, wie es ihnen gebührt.

Frohe Ostern.

Download PDF  Artikel drucken (PDF)

Kommentare (1)

  • Buycialis

    Wenn schon, dann Bio-Eier.” Ein schöne Botschaft in der Bildunterschrift. schöner ist es aber doch, selber Ostereier auszublasen und anzumalen” Hier stellt sich die Frage, ob es vielleicht nicht besser ist, Eier aus Holz oder Plastik zu bemalen, anstelle Eier vom Huhn zu verwenden. Meistens werden ja doch keine Bio-Eier gekauft und auch im Bio-Bereich haben wir ja größtenteils das Problem mit den Turbo-Zuchtlinien und immer noch Küken-Töten, obwohl das Ei eigentlich für das Leben stehen sollte. Wenn man die Kunsteier fürs nächste Jahr aufhebt, ist das sicher umwelt- und tierfreundlicher und ganz im Sinne der frohen Osterbotschaft. Liebe Grüße buy cialis

Hinterlasse einen Kommentar zu Buycialis

You must be logged in to post a comment.

Über den Autor

Amy Graham
Anzahl der Artikel : 12

© back view e.V., 2007 - 2017

Scrolle zum Anfang