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Blick in die Glaskugel: Frust-Bewältigung auf der Bayern-Bank

anjedemverdammtenmontag – die Fußballglosse auch in der Sommerpause

anjedemverdammtenmontag ist das Satireblog des Sportjournalisten Benjamin Hofmann unser neuer Partner von back view. Heute blickt unser Autor nach einer kleinen Sommerpause auf die neuesten Ereignisse rund um den Fußball und nimmt dabei den geliebten Ballsport gehörig auf die Hörner.

Auf einem gut frequentierten Bierkeller in der Münchner Arnulfstraße: Manu, Basti und Arjen süffeln missmutig ein Weißbier. Schwarzgelb leuchtet die Sonne. Arjens Handy klingelt, Mieke Telkamp flötet „wenn der Frühling kommt, dann schick ich dir, Tulpen aus Amsterdam …“ „Endlich“, seufzt Basti und fordert: „Geh ran.“ Arjen nimmt ab. Aus dem Gerät schallt es: „Itse me, Maaaario!“ „Mario, kannst du uns nicht nach Florenz holen? Wir haben keinen Bock mehr auf die Bank“, bellt Manu. Klick – aufgelegt.

Am Nebentisch erhebt sich ein blonder Mann um die 40. Unter dem Arm hat er eine nackte Blondine, die einen Nobel-Discostempel auf dem Handgelenk hat. Seine markanten Kiefer formen ein durchdringendes Mantra: „Nie aufgeben! Immer weitermachen!“ Bastian tunkt seine Weißwurst in den Senf und wirft sie ihm entgegen. Sieht aus wie ein Banänchen. Aus der Ferne verfehlt ein Golfball den Quadratschädel. Schließlich zieht Manu eine Eckfahne aus seinem Täschchen und streckt den Titan nieder.

„Und was machen wir jetzt?“, fragt der Hüne verzweifelt. Wer konnte schon ahnen, dass Pep Ailton holt und den fußlahmen Kugelblitz ins Tor stellt, um seiner Mannschaft ein Übergewicht zu verschaffen? Und dass Phipsi und Franck eine Stammplatzgarantie im Mittelfeld haben, wenn sie mit Beatles-Frise und Schwarzweiß gepunktetem Sakko auflaufen?

„Ich vermisse die Bierduschen“, seufzt Basti. „Ich auch“, sagt Manu. Beherzt greift er zu, als eine Kellnerin mit einem Tablett Weißbier vorbeiläuft. Einen Humpen trinkt er auf ex, mit dem anderen übergießt er die Frau im Dirndl. Dann rennt er schelmisch grinsend weg.

Die Kellnerin tropft. Endlich fasst sie sich: „Sagts a mal, spinnts ihr? Ihr könnts eich doch hia ned auffüahn wie der Basler?“ „Aber aber“, beschwichtigt Basti. „Du kannst dich gleich waschen. Im Whirlpool in der Säbener Straße. Lizenzspieler-Cousinen haben da Hausrecht.“

 

(Text: Benjamin Hofmann / Zeichnung: Christina Koormann)


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