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Bienensterben: Maja, erzähle uns von dir!

Die Biene zwischen Natur und Mensch

„Summ, summ summ, Bienchen flieg herum“. Wenn die Temperaturen bald wieder steigen und es wärmer wird, beginnt die Natur zu erwachen. In einem für viele unbekannten Land macht sich eine sehr bekannte Biene auf und zeigt uns das, was ihr gefällt. Nun im Frühling treffen wir wieder unsere Freundin Biene Maja und ihre Kollegen. Doch wenn sie von ihrer Welt erzählt, ist dies nicht immer schön. Denn diese Welt ist bedroht. Bedroht vom Bienensterben.

Nektar und Ambrosia sind die Speisen der Götter. Um an sie heranzukommen, bedarf es einiger Anstrengungen. Musste der Honig anfangs noch mühevoll geraubt werden, begannen die ersten Siedlungen, sich neben Ackerbau auch Bienen zu halten. Fleißige Arbeiterinnen, Wächterinnen und Ammen, das gesamte Staatsvolk wird von einer Königin regiert.

Bereits im alten Ägypten galt die Biene daher als Zeichen für Herrschaft. Betrachtet man den Krönungsmantel von Napoleon, so sind auch darauf Bienen zu erkennen. Diese geflügelten Wesen scheinen zwischen den Welten zu wandern, sie sind im Himmel auf der Erde. Als Wandler galt die Biene im alten Griechenland als Zeichen der verstorbenen Seelen auf den Weg zu den Göttern in die Unterwelt. “Dwora”, hebräisch für Biene, leitet sich von der gleichen Wurzel ab wie das Verb sprechen, “medaber”.

Weisheit und Eloquenz wird der Biene nachgesagt, verkündete sie der Legende nach doch die große Redegewandtheit des Platon. Aber auch in der christlichen Theologie steht sie für ein Gleichnis Christi. Zwischen Honig und Stachel symbolisiert sie den strengen, aber barmherzigen Weltenrichter Jesu, der gleichbedeutend der dreimonatigen Winterruhe des Bienenvolkes nach drei Tagen von den Toten auferstand.  In ihren Bienenstöcken ruhen die Bienen jedoch sehr komfortabel, sodass auch eine Sure des Koran rät, sich an ihnen ein Vorbild zu nehmen.

Fleißige Bienchen arbeiten ohne Mindestlohn

„Sehr geehrte Honigbienen, wir Verbraucher danken Ihnen“, singt Heinz Erhard auf diese arbeitsamen Wesen ein Loblied. Was die Biene im Laufe ihres Lebens leistet, ist beispiellos. Bis zu vier Milliarden Euro gehen jährlich auf ihre Arbeit zurück.

Eine einzelne Sammlerin kann an einem Tag bis zu 3.000 Blüten besuchen. Dabei legt sie eine Strecke von bis zu vier Kilometern zurück. Auf jedem Flug sammelt sie zwischen 20 und 40 Milliliter Nektar. Welcher Aufwand hinter einem Glas Honig steckt, kann nur schwer bemessen werden. Bis zu 30 Kilogramm kann jedes Volk pro Jahr erwirtschaften.

Um Licht in die Dunkelheit zu bringen, verwendete man schon früh Kerzen aus Wachs. Kaum war diese Erleuchtung erfolgt, so erkannte man die desinfizierenden Wirkungen von Honig und Wachs. Heute wird Produkten wie Gelee Royal, der Nektar für die Bienenköniging, Propolis, das Futter für die Larven, sowie nicht zuletzt die Biene selbst Aufmerksamkeit zuteil. Bienengift war stets ein wichtiger Bestandteil der traditionellen chinesischen Medizin.
Aber Bienenprodukte regen auch zur Kreativität an, wie verschiedene Wachsfigurenkabinette auf der Welt eindrucksvoll zeigen.

Bienen haben leider keine Gewerkschaften

„Wenn die Biene einmal stirbt, so hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben.“

Diese Zitat wird dem bekannten Naturwissenschaftler Albert Einstein nachgesagt.

Eindrucksvoll ist der Beitrag, den die Biene für die Natur und den Menschen leistet. Über 80 Prozent aller Pflanzen werden von ihr bestäubt. Mehr als 35 Prozent der weltweiten Ernährung hängen von den gelb-schwarzen Boten der Natur ab. Die Biene leistet viel, doch müsste sie eigentlich Gewerkschaften gründen, um gegen die schwierigen Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Es werden immer weniger. Das Bienensterben greift um sich.

Seit vielen Jahren sterben immer mehr Bienenvölker, zuerst in den Vereinigten Staaten, mittlerweile auf der ganzen Welt. Dieses Phänomen des Colony Collapse Disorder (CCD) – das Bienensterben – ist bedrohlich für Natur und Mensch.

Die moderne Landwirtschaft setzt verstärkt auf Pestizide. Bienen verlieren ihren Orientierungssinn und verenden fern des heimatlichen Stockes. Große Monokulturen ohne Unkräuter und Blüten lassen die grüne Wüste stets wachsen. Immer weiter müssen die Sammlerinnen fliegen, um an Nektar zu gelangen. All dies schwächt die Völker und öffnet ihren Feinden die Tore.

Nicht nur die Faulbrut verbreitet sich als Bienenpest und lässt die Larven verenden. Seit einiger Zeit erschweren auch neue Widersacher das Überleben im Bienenstaat. So befällt die Varoamilbe die Flügel der Bienen und saugt diese langsam aus. Schließlich ist auch der Beutenkäfer in unseren Gefilden heimisch geworden. Er ernährt sich direkt von den jungen Staatsbürgern des Bienenstaates und frisst diese noch in den Waben.

Wie Imker mit ihren Mitarbeitern umgehen

„Man kann sich einem Menschen ohne Liebe nicht annähren, wie man sich Bienen nicht ohne Pflege annähren kann. Das ist die Eigenschaft der Biene.“

So sagte es einst der russische Schriftsteller Leo Tolstoi. Imkerei war stets ein besonderes Handwerk. Im alten Griechenland war die Pflege der Bienen Aufgabe der Priester. Später, im Mittelalter, gestand man dem Imkerwesen sogar eine eigene Gerichtsbarkeit zu, wie etwa noch im Wappen der Stadt Feucht zu sehen.

Während jedoch in Deutschland der Umgang mit Bienen zunehmend mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat, wächst der Stand des Berufsimkers in den Vereinigten Staaten immer weiter. Nicht der Honig, sondern der Prozess dazu, die Bestäubung, bringt hier das Geld. Ganze Lastwagen voller Bienenstöcke werden quer durch das weite Land transportiert: Heute in Kalifornien, morgen in den Appalachen. Bienen müssen als Wanderarbeiter große Distanzen zurücklegen. Zwischen Pestiziden und Monokulturen leisten die kleinen Wesen Schwerstarbeit. Stetig haben die Imker über Verluste zu klagen und die Preise für Bienenvölker steigen in gigantischen Ausmaßen. In China gibt es bereits Regionen, in denen Menschen die Arbeit der verschwundenen Bienen übernehmen müssen. Doch der Erfolg ist gering.

Bienensterben: die Biene sticht zurück

„Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.“

Das erkannte einst die Boxlegende Muhammad Ali und die Biene sticht zurück. Entstanden aus Experimenten ist die starke und robuste afrikanisierte Honigbiene. Zwar bringt sie sehr viel Honig und übersteht die meisten Schwierigkeiten, die ihr der Mensch bietet. Doch ist sie auch sehr aggressiv. Jedes Jahr sterben etliche Menschen durch Angriffe dieser sonst so friedlichen Wesen.

Im Streben nach Wohlstand und Wachstum vergessen wir häufig, wovon wir leben. Doch wusste einst Bhudda: „Wer seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen. Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.“

Bienen sind ein Spiegelbild von Mensch und Natur

Das weiß die Biene und kehrt zu uns zurück. Die Welt von Biene Maja und unsere Alltagswelt in den modernen Städten wachsen wieder zusammen. Im Vergleich zu den Pestiziden und grünen Wüsten erscheint der bunte Mix an Blumen und Blüten der Städte wie ein Land, in dem Milch und Honig fließen. Stadtimkerei wird zu einem immer beliebteren Trend. Ob nun über den Wolken in New York oder auf dem Dach der Bank of London, die Biene zieht wieder bei uns ein.

Vieles haben wir diesen kleinen summenden Wesen zu verdanken. Doch sie brauchen eine gesunde Natur – wie jeder von uns auch. Honig verleiht dem Menschen Erkenntnis, Weisheit und Unsterblichkeit, so heißt es in der Mythologie. Wenn wir uns Honig schmecken lassen, die Früchte der Natur genießen, sollte diese Erkenntnis in uns reifen. Denn wie wusste es einst der chinesische Gelehrte Konfuzius: Willst Du ein Leben glücklich sein – bebaue einen Garten und halte Bienen darin!

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Kommentare (2)

  • Gruber

    Dieser Beitrag ist mit viel Respekt den Bienen gegenüber geschrieben worden, aus ihm spricht die Sorge um eine lebenswerte Zukunft der Menschen, wenn es der Biene schlecht geht. Leider haben sich einige fachliche Fehler eingeschlichen, die bei der Lektüre des Artikels Unbehagen wecken, er erscheint trotz aller stilvollen Zitate eher oberflächlich. Schade. Eine Korrekturlesung durch einen versierten Imker wäre um Vorfeld der Veröffentlichung eine Bereicherung.
    Cathleen Gruber

    Antworten
  • Stephan Raab

    Sehr geehrte Frau Gruber,

    danke für Ihr Kommentar zu diesem Artikel.
    Der Artikel wurde nach besten Wissen und Gewissen mithilfe von Fachliteratur und Gesprächen mit einem Imker verfasst.
    Leider muss ich lesen, dass Ihnen einige fachliche Fehler aufgefallen
    sind. Da ich stets um Richtigkeit und die Qualität meiner Artikel bemüht bin, würde ich Sie gerne bitten aufzuzeigen, an welchen Stellen Sie als Fachfrau fachliche Fehler entdeckt haben.

    Ich bedanke mich,

    Stephan Raab

    Antworten

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Über den Autor

Stephan Raab

Stephan Raab interessiert sich für Warum und die Welt: Seit 2014 gehe ich für backview.eu scheinbar alltäglichen Dingen auf den Grund, betrachte warum manches so ist wie es ist. Wenn ich nicht gerade an einer neuen Idee für einen Artikel sitze, beschäftige ich mich gerne mit Fotographie oder Fremdsprachen oder widme mich meinen Politikstudium.

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