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Bedingungsloses Grundeinkommen

Kommentar zur Sicherung der Menschenw√ľrde

Finnland experimentiert noch, die Schweiz verk√ľndete bereits auf politischem Niveau eine Volksabstimmung zu seiner Einf√ľhrung. Bedingungsloses Grundeinkommen, das ist ein Einkommen, das jedem B√ľrger bedingungslos gew√§hrleistet wird, preisen die Einen, kritisieren die Anderen. Kann es in Deutschland eine Zukunft haben?

Ob bettelarm auf der Stra√üe, ob Kleinverwalter eines lokalen Stadtb√ľros, ob gut verdienender Mediziner in einem Krankenhaus; jeder bekommt es: ein bedingungsloses Grundeinkommen (BGE). Es soll ein sicheres Leben des Einzelnen garantieren, zur sinnvollen Arbeit motivieren, Selbstverwirklichung eines jeden Individuums erm√∂glichen ‚Äď kurz: mehr Freiheit schaffen, damit jeder ein menschenw√ľrdiges Leben f√ľhren kann. Laut Experten g√§be es ein Umdenken in den K√∂pfen. Vielleicht eine Revolution, wenn alle mitmachen.

Sicher ist, sozialer Druck wird abgebaut. Das befreiende Gef√ľhl l√§sst kreative Impulse neu entflammen, sodass sich die Gesellschaft kulturell und ideell weiterentwickelt. F√ľr zwischen 800 und 1500 Euro monatlich pl√§dieren bef√ľrwortende √Ėkonomen. √úber den konkreten Betrag w√ľrden deutsche Politiker wom√∂glich erst diskutieren, wenn dieses Modell kurz davor w√§re, ernsthaft realisiert zu werden.

bedingungsloses Grundeinkommen

Ein neues Gesellschaftssystem

Ausgerechnet ein Milliard√§r ist unter den prominenten Verfechtern des BGE. Die Rede ist von dem dm-Chef G√∂tz Werner, der seit Jahren f√ľr ein bedingungsloses Grundeinkommen k√§mpft. Ein Mitmensch, der es selbst am wenigsten braucht, aber sich am meisten daf√ľr einsetzt. F√ľr ihn befinde sich der Mensch mitten im Wandel von einer Industriegesellschaft in eine Informations- und Kulturgesellschaft. Hierbei seien neue finanzielle Formen und Reformen n√∂tig. In diesem Fall handele es sich um ein bedingungsloses Grundeinkommen, im Gegenzug dazu: der Verfall von Sozialgeldern, sowie eine Erh√∂hung der Mehrwertsteuer.

Doch es geht um weitaus mehr als eine neue Finanzordnung. Wenn das BGE Fuß fassen will, muss es im einzelnen Menschen erreichen, kapitalistische Grundwerte zu hinterfragen. Jeder bekommt gleich viel und wird somit aufgefordert, auf eine allgemein bescheidene Lebensweise zu wechseln. Maximale Gewinnorientierung gehört damit nicht mehr zur Tagesordnung.

Bedingungsloses Grundeinkommen Рes regt zwar zum Arbeiten an, doch viele werden ebenso weniger arbeiten und sich mehr ehrenamtlichen Projekten widmen. Dadurch wird das Produktivitätsniveau vieler Unternehmen gesenkt, was die Existenz einer Leistungsgesellschaft quasi auflöst. Angesichts der großen Umweltprobleme, die mit dem Klimawandel, der Ressourcenverschwendung und der Überproduktion als größte Konsequenz ökonomischer Ziele in dem gegenwärtigen Wirtschaftssystem einhergehen, käme ergo ein derartiger Umdenkungsprozess gerade recht.

Soziale Gleichheit!?

Auf den ersten Blick ist durch ein bedingungsloses Grundeinkommen die soziale Gleichheit sichergestellt, w√§ren da nicht die bereits existierenden Privatverm√∂gen und Geh√§lter der oberen Zehntausend. Hier stie√üe man auf ein Dilemma. Trotz der im Minimum sechsstelligen Zahl auf ihrem Konto sind auch sie berechtigt, das BGE zu beziehen. Weil nun das Steuersystem aber aus nur einer Abgabe (Konsumsteuer) bestehen w√ľrde, w√§ren die Reichen nach wie vor von einer Verm√∂genssteuer befreit. Sie behielten ihr erhebliches Verm√∂gen.

Die Kluft zwischen Arm und Reich w√ľrde sich nur minimal verkleinern. N√§hme man sich willk√ľrlich etwas von ihrem Nettoverm√∂gen, um diese mit allen anderen anzupassen, glich das einer Beschlagnahme des f√ľr ihre wertvolle und harte Arbeit verdienten Geldes. Und da w√§ren wir wieder beim kapitalistischen Besitzanspruch.

Der Wert der Arbeit

Das f√ľhrt uns zu der Frage, welche Bedeutung die Arbeit f√ľr den Menschen √ľberhaupt einnimmt. Aktuell sieht es ganz danach aus, als h√§tte die Arbeit bei vielen einen rein √∂konomischen Zweck. S√§tze wie „Ich arbeite, damit ich meine Miete zahlen kann“ oder „Ich arbeite, weil ich mir damit etwas Materielles verdient habe“, machen den Kopf nicht frei.

Sie l√§hmen das kreative Potenzial des Menschen, hemmen die Leidenschaften, die Tr√§ume, das Ehrenamt, das Engagement, den Optimismus. Man ist ein Anh√§ngsel im System. Mit dem BGE mache der Mensch sich bewusst, dass Arbeit auch kulturell und sozial motiviert sein kann. Ich mache etwas f√ľr jemanden, ein anderer macht etwas f√ľr mich. Und das Tolle ist, wir k√∂nnen uns beruflich selbst entfalten, da wir alle gleichwertig abgesichert sind.

Kritikern f√§llt als erstes Argument ein, dass die Menschen von Natur aus Faultiere sind. Geschenktes Geld f√ľrs Nichtstun bringe sie tats√§chlich zum Nichtstun. Nun frage man sich aber, welchen Sinn es hat, dass die Evolutionsgeschichte Millionen Jahre braucht, um einen homo sapiens entstehen zu lassen, der am Ende ja doch nichts tut. Welchen Platz nehme er dann auf der Erde ein? Fakt ist, der Mensch hat einen T√§tigkeitsdrang in sich. Nur so ist er kulturell zu dem geworden, was er heute ist. Er sucht Aufgaben, Herausforderungen, um Anerkennung zu finden und sich zu bereichern. Das BGE √§ndert das Arbeitsbewusstsein. Seine berufliche Herausforderung sucht sich der Mensch in seiner Selbstverwirklichung.

Bedingungsloses Grundeinkommen

Das Modell n√§hert sich einer Wirtschaftsform, die man der bereits allzu bekannten Sharing Economy zuordnen kann. Wenn der ganze Geldtopf f√ľr das Grundeinkommen aufgeteilt wird, so entsteht ein globales Bewusstsein des Teilens. Dies f√ľhre in seinen Extremen aber zu Besitzlosigkeit, was das System Geld theoretisch unn√∂tig macht. Doch da sich das der Kommunismus bereits fragte, w√ľrde eine Antwort hierbei zu weit gehen.

Da sich Bef√ľrworter und Opponenten aller Parteien von Links bis Neoliberal noch Argumente um die K√∂pfe werfen, bleibt eine politisch relevante Entscheidung abzuwarten. Das Modell bedingungsloses Grundeinkommens ist maximal in seinen Kinderschuhen, ein Entwurf, der hierzulande noch kein Potenzial hat. Die Idee weist auf verf√ľhrerische Perspektiven Einzelner hin, aber um zu funktionieren, muss ein Bewusstseinswechsel bei den Menschen geschehen. Eine andere Wahrnehmung von Geld und Arbeit, von Kapital und Gleichheit, von Wirtschaft und Selbstentfaltung.

Das Eintreffen dieses Wechsels ist wahrscheinlich so vorhersehbar wie der Mauerfall. Sicher ist aber, dass etwas passieren wird. Durch die Maschinisierung und Digitalisierung von Arbeitsplätzen wird es mehr Menschen ohne Arbeit geben. Der Staat muss Maßnahmen finden, diese Menschen zu versorgen und ihnen finanzielle Absicherung zu garantieren. Was es auch ist, bis dahin schauen wir im kommenden Juni in die Schweiz, der Staat in Europa, der wohl am meisten mit Geld zu tun hat.

(Foto: Mariesol Fumy by jugendfotos.de)
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Kommentare (12)

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    Irene Jagow

    Ich w√§re daf√ľr und das m√∂glichst schnell.
    Wir sind Rentner mit niedrigem Einkommen und m√ľssen davon private Krankenversicherung bezahlen.

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    Tina Specht-Seegers

    Hallo nat√ľrlich w√§re ich daf√ľr,dann k√∂nnte ich mich voll auf mein Tanzstudio konzentrieren und m√ľsste nicht noch 2 Minijobs machen um mich und meine Kinder zu finanzieren.das ist so anstrengend und kein Urlaub,kein shoppen ,kein…We immer zu Hause.

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    Dominik

    Ist doch vollkommen egal ob die „oberen Zehntausend“ auch das BGE beziehen, es geht doch darum, dass kein Mensch in einem wirtschaftlich so starkem Land wie Deutschland Existenz√§ngste haben muss, aus welchen Gr√ľnden auch immer. Ich f√ľr meinen Teil bin momentan gezwungen, eine Arbeit zu verrichten die mich so √ľngl√ľcklich macht, dass ich echt finstere Gedanken habe..und das f√ľr ein Gehalt, bei dem ich am ende des Monats Angst habrn muss, mir nichts mehr zu Essen leisten zu k√∂nnen..

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    GH

    Ich bin seit ca. 10 Jahren „Besserverdiener“ mit einem Einkommen im 6stelligen Bereich. Das erm√∂glicht mir und meiner Familie Spielr√§ume und Sicherheit.
    Die Idee eines Bedingungslosen Grundeinkommens f√ľr alle B√ľrger eines Landes √ľbt dennoch oder gerade deshalb gro√üe Zustimmung bei mir aus, habe ich doch diese Freiheiten selbst erlebt.
    Wenn jeder B√ľrger ohne Existenzangst leben kann, dann wird das eine andere Gesellschaft erm√∂glichen. Gleichheit in den rechtlichen Anspr√ľchen auf ein Auskommen, dass durch die zunehmende Effiziensteigerung f√ľr jeden erm√∂glichst wird; Br√ľderlichkeit in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und Freiheit im Kulturellen. Das scheint mir durch ein Bedingungsloses Grundeinkommen in greifbare N√§he zu r√ľcken.

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    Katharina Dowe

    Hier ein sehr aufschlu√üreicher und beeindruckender Film √ľber dieses √ľberaus wichtige Thema: http://www.unternimm-die-zukunft.de/‚Ķ/zum-grundeinkom‚Ķ/film/

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    Michael Schmidtke

    Auch ich, als Bef√ľrworter des BGE schlie√üe mich dem allgemeinen Tenor an. Das BGE ist die Chance einen gesellschaftlichen Wandel f√ľr eine bessere Zukunft zu erm√∂glichen. In der heutigen Form, wo Leistung auf dem Fundament von Existenzbedrohung, oder dem Risiko gesellschaftlicher Abwertung erbracht werden m√ľssen, um ein an allen Ecken und Enden krankendes System am leben zu erhalten, sehe ich schwarz f√ľr eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft. Eher bef√ľrchte ich eine aus dem dadurch stetig anwachsenden, erzwungenen Konkurrenzkampf unter den Menschen die Gefahr zur R√ľckentwicklung. Wir leben heute nicht mehr im finsteren Mittelalter und haben die Mittel um eine bessere Zukunft f√ľr alle zu erschaffen. Wir m√ľssen es nur wollen.

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    Dirk Scharnbeck

    Aktuell gibt es eine Petition,wo es zum Aufruf √ľber die Einf√ľhrung einer bundesweiten Volksabstimmung geht.
    Und zwar zum Thema Grundeinkommen, wie dies aktuell am 5. Juni 2016 in unserem Nachbarland Schweiz stattfinden wird. Wieso nicht auch in Deutschland?
    = siehe: https://www.openpetition.de/petition/online/grundeinkommen-abstimmen-aufruf-zur-einfuehrung-der-bundesweiten-volksabstimmung

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    Siegfried Born

    Wer h√§tte es je f√ľr m√∂glich gehalten, dass sich die Eidgenossen in der Schweiz dieses f√ľr dortige Verh√§ltnisse brisanten Themas angenommen h√§tten und die Bev√∂lkerung hierzu befragten. Gut, das Ergebnis war keine √úberraschung. Aber es zeigt, dass sich immer mehr Leute √ľber das Grundeinkommen, besser gesagt das bedingungslose Grundeinkommen Gedanken machen. Ich gehe davon aus, dass √ľber kurz oder lang ein solches bedingungsloses Grundeinkommen hier in der Bundesrepublik Deutschland eingef√ľhrt wird. Entbehrlich w√§ren dann die Leistungen wie Kindergeld, Wohngeld, Hartz IV usw., denn diese w√§ren dann schon Bestandteil des Grundeinkommens. Die zum Teil schikan√∂sen Verh√§ltnisse bei den Jobcentern hier in Deutschland w√§ren f√ľr immer vorbei und niemand m√ľsste sich mehr von Beh√∂rdenvertretern dem√ľtigen lassen. Jeder k√∂nnte sich frei entscheiden, ob ihm das Grundeinkommen gen√ľgt oder ob er „hinzuverdienen“ m√∂chte. Ich bef√ľrworte ein bedingungsloses Grundeinkommen.

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    Michael Agne

    Ich bin ganz der Meinung von Siegfried Born, denn ich kenne das Jobcenter mit Hartz IV viele Jahre lang genug und ich finde es unversch√§mt, was man mit den Leuten, wie ich damit umgegangen worden ist! Ich selbst habe mich damit seelisch kaputt gemacht, weil das System unmenschlich ist und man wird gezwungen alle Arbeiten anzunehmen, obwohl diese System mit Hartz IV nicht fragt, ob ich √ľberhaupt diese Arbeiten geeignet bin! Denn die gehen nach dem Moto, Hauptsache raus aus der Arbeitslosenstatistik! Den in Raum Pirmasens wo ich lebe gibt es so gut wie keine Arbeit! Heute bin ich leider Fr√ľhrentner, bzw. Erwerbsminderungsrente, die ist so klein, das ich nicht davon leben kann! Aktuell, bekomme ich diese Jahr noch √úbergangsgeld von der deutschen Rentenversicherung, weil ich als Schwerbehinderter bei der Kimmle Stiftung arbeite im Ausdienst, bei dem Onlineversandhandelsfirma: http://www.top12.de! Ich hoffe das ich bald wieder normal arbeitsf√§hig bin und ein bedingungsloses Grundeinkommen w√ľrde mir dabei sehr helfen auf einen normalen, bzw. guten Tariflohn zu kommen, denn ich br√§uchte keine zuk√ľnftige Existenz√§ngste mehr haben!

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    Leviathan

    Ich habe drei Kinder
    Mein Mann und ich gehen beide Arbeiten aber Urlaub können wir uns nicht leisten
    Bekannte von uns arbeiten beide nicht, 4 Kinder und einmal im Jahr gehts nach D√§nemark f√ľr 3 Wochen mit Unterst√ľtzung vom Amt
    Was ist daran gerecht?
    Bei einem BGE habe ich wenigstens als arbeitender mehr als einer der vom Amt lebt. Ganz zu schweigen von der Altersarmut die auf viele von uns wartet.
    Ich denke das das BGE vieles gerechter machen w√ľrde und kommenden Generationen viel mehr M√∂glichkeiten bietet
    Auch könnte jeder mit entsprechendem Abschluss studieren ohne finanzielle Probleme denn leider ist das Recht auf Bildung bei uns nicht billig

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    Sybille Rosch

    Sybille Rosch

    12. September 2017 um 16:57

    Herr Scharnbeck, wir m√ľssen weiter k√§mpfen! Einen Volksentscheid, z. B. der Schweiz darf uns nicht davon abbringen! Wir setzen uns f√ľr die W√ľrde des Menschen ein. Das BGE macht positive, kreative Kr√§fte in der Geselschaft frei.
    Wir m√∂chte jeden Monat ins Theater, Konzert etc. gehen, k√ľnstlerische Arbeiten fertigen, ehrenamtlich arbeiten ‚Ķdas alles und viel mehr k√∂nnen wir , wenn wir weniger Geldprobleme haben. Mit mehr Geld in der Tasche, h√∂ren wir nicht auf zu leben sondern fangent erst richtig damit an!

    S. Rosch

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√úber den Autor

Tom Pascheka
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