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Be free vegan!

Interview mit der Foodsharing-Aktivistin Free Vegan

Umweltzerst√∂rung, Plastikstrudel im Ozean und Massentierhaltung! Wir alle haben schon einmal von den desastr√∂sen Ausw√ľchsen unseres √ľberm√§√üigen Konsums geh√∂rt. Doch wir tun viel zu wenig daf√ľr, um den Missstand zu √§ndern. Deshalb erz√§hlt uns eine Foodsharing-Aktivistin, was sie tut, um uns alle wachzur√ľtteln.

Free Vegan FoodsharingDagegen scheint es erstaunlich, wie wenig wir von Menschen wissen, die den einfachen Konsumenten aufr√ľtteln und ihm zum verantwortungsbewussten Einkauf inspirieren wollen. Das soll nun anders werden: back view hatte die M√∂glichkeit die Foodsharing-Aktivistin Free Vegan alias Nicoletta zu interviewen. Mit ihrer Facebookseite und ihrem YouTubekanal m√∂chte sie nicht nur zum nachhaltigeren Konsum anregen, sondern vielmehr gleich zum Lebensmittelretten inspirieren.

Liebe free vegan, was ist Foodsharing genau?
Foodsharing ist ein deutschlandweit t√§tiger Verein. Hier kann jeder nicht mehr ben√∂tigte Lebensmittel auf der Internetplattform teilen oder abholen. Nat√ľrlich l√§uft hier alles ohne zu bezahlen ab. Ich bin vor allem auf Lebensmittelretten ausgerichtet. Das bedeutet, ich und andere Freiwillige holen Nahrungsmittel aus Superm√§rkten ab, die sonst in der Tonne gelandet w√§ren. Anschlie√üend verteilen wir die geretteten Lebensmittel an die Bev√∂lkerung.

Warum machst Du das?
Ich mache das, weil ich auf die Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen m√∂chte. Wir f√ľgen mit unsrem √ľberm√§√üigen Konsum Tieren, Umwelt und anderen Menschen Leid zu. Ich bin durch eine Freundin auf Foodsharing gesto√üen. Und fand die Idee so super, dass ich gleich mitmachen wollte. Leider gab es hier in Heidelberg keine Initiative. Also fing ich einfach im November letzten Jahres an eine aufzubauen. Erst sehr zaghaft durch Anschreiben an die Betriebe. Dann ist Foodsharing Heidelberg St√ľck f√ľr St√ľck gewachsen, nun sind wir bereits √ľber 100 Aktivisten.

Waren alle Betriebe gleich begeistert von Deiner Idee?
Das war ganz unterschiedlich. Zu Anfang war das Interesse der Betriebe eher zur√ľckhaltend. Zum einen lag es daran, dass viele Foodsharing nicht kannten und zum anderen einige H√§ndler bereits mit den Tafeln zusammen arbeiteten. Leider haben auch viele erst gar nicht erst zuh√∂ren wollen, was hinter dem Konzept Foodsharing steht.
Allerdings gab es auch immer wieder Leute die total begeistert waren und sich unbedingt informieren wollten. Andere Unternehmen k√∂nnen sich schlie√ülich durch uns Kosten bei der M√ľllbeseitigung sparen und ihren Kunden zeigen dass sie Wert auf Nachhaltigkeit legen.

Welche Lebensmittel rettet ihr?
Haupts√§chlich Obst und Gem√ľse. Weil die t√§glich frisch sein m√ľssen und schnell schimmlig werden. Und Backwaren. Leider macht keine B√§ckerei mit, obwohl die die gr√∂√üten „√úbelt√§ter“ sind. B√§ckereien geben ihre Lebensmittel lieber an die Biogasanlage.

Warum nennst Du Dich free vegan?
Eigentlich wollte ich den Namen meines Youtubekanals und meiner Facebookseite an die Freegan-Bewegung anlehnen. Hier wird das derzeitige Wirtschaftssystem boykottiert, indem einfach nicht mehr konsumieren wird.¬†Free Vegan soll zeigen, dass Foodsharing ein guter Weg ist, um ausgewogen und billig vegan zu leben. Free bedeutet hier, dass man durch Foodsharing beinahe umsonst Essen besorgen kann. Ich ben√∂tige zum Beispiel nur einige Specials und gebe nicht mehr viel Geld f√ľr Lebensmittel aus. Das ‚Äěvegan‚Äú im Namen bedeutet, dass diese Ern√§hrungsform zum einen die Ressourcen dieser Erde schont und zum anderen nicht teuer sein muss. Vegan ist eben nicht nur f√ľr Snops, sondern auch f√ľr ganz einfache Menschen machbar.

Welche Leute machen bei euch mit?
Am Anfang dachte ich, es w√ľrden nur Studenten teilnehmen. Aber nun haben wir auch √§ltere Leute und Bed√ľrftige. Im Sommer sa√ü ich oft drau√üen, um die Menschen kennenzulernen, wenn sie Lebensmittel bei mir abholten. Es sind ganz unterschiedliche Leute: manche m√∂gen ihren √∂kologischen Fu√üabdruck so klein wie m√∂glich halten, andere sind einfach nur gefrustet wegen der Lebensmittelverschwendung, viele haben einfach zu wenig Geld, um sich Nahrungsmittel im Supermarkt zu kaufen.
Auffallend ist allerdings, dass sehr viele Veganer mit dabei sind. Das ist ziemlicher Wahnsinn, scheinbar muss man auf bestimmte Sachen verzichten, um das Lebensmittel an sich wertzuschätzen.

Was sind Deine Ziele f√ľr Dich, f√ľr die Umwelt und f√ľr den Konsumenten?
Ich m√∂chte, dass alle Leute vegan werden (lacht). Das w√§re nat√ľrlich super, aber eher unwahrscheinlich. Haupts√§chlich w√ľnsche ich mir mehr auf das Thema Lebensmittelverschwendung aufmerksam machen zu k√∂nnen, wie ich es bereits auf Facebook und Youtube tue. Zus√§tzlich will ich erreichen, dass mehr H√§ndler und andere Kooperationen mit Foodsharing zusammenarbeiten und nachhaltiger wirtschaften. Das hei√üt, dass es kurz vor acht keine vollen Regale mehr in den Superm√§rkten gibt und Lebensmittel, die √§lter sind auch noch verkauft werden k√∂nnen. Die Konsumenten sollten nicht mehr so verw√∂hnt werden und das Lebensmittel an sich mehr wertsch√§tzen. Schlie√ülich m√∂chte ich eine nationale Kooperation mit anderen St√§dten starten. Zum Beispiel haben wir derzeit Praktikanten aus anderen St√§dten bei uns, die wir anlernen zu foodsharen. Auch m√∂chte ich aufkl√§ren, was mit Lebensmittel passiert, die nicht von uns gerettet werden k√∂nnen.
Ansonsten w√ľrde ich gerne so weitermachen und weitere Videos √ľber das Thema drehen.

Was m√∂chtest Du den Leuten mitteilen, die √ľberhaupt nichts mit Umweltschutz, Massentierhaltung und Lebensmittelverschwendung am Hut haben?
Lebensmittelretten ist nur Symptombek√§mpfung und wird so lange gemacht bis umgedacht wird. Generell geht es sowohl beim Veganismus als auch beim Lebensmittelretten darum nur so viel zu nehmen wie man braucht, denn wer mehr nimmt, nimmt anderen etwas weg. In diesem Sinne ‚Äěmay you live simple, so that others may simply live‚Äú.

Vielen Dank f√ľr das Interview, free Vegan.

(Text: Magdalena Braun / Foto: Free Vegan)
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Kommentare (1)

  • Barbara

    Ganz super! Und lasst nicht nach Рirgendwann hat auch der Letzte begriffen, dass jeder mitverantwortlich ist und dazu beitragen kann, dass die Verschwendung und der unbewußte Resourcenabbau aufhören sollte, wenn es in unserer Welt besser werden soll!

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