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Australiens Auftakt zu weltweiten Pegida Demonstrationen

Ein Bericht über die australische Situation

Der letzte Sommer in Deutschland ist geprägt von Bildern, jubelnder Menschen an Bahnhöfen, die erschöpfte Flüchtlinge in Empfang nehmen. Sie sind eine Dokumentation der deutschen „Willkommenskultur“. Monate später, die Euphorie erschöpft, sind es nicht mehr nur jubelnde Menschen, sondern auch Menschen, die mit der jetzigen Situation nicht zufrieden sind. Diese Situation gibt Gruppen wie Pegida, die Möglichkeit neue Mitglieder zu gewinnen und für ihre Ziele zu begeistern.

Pegida Australien

Der 6. Februar 2016 sollte ein großer Tag für Pegida-Anhänger in Europa werden. In vielen Großstädten wurden Demonstrationen gegen eine Islamisierung abgehalten. Den Auftakt dieser vielen Demonstrationen machte aber keine europäische Stadt, sondern die australische Hauptstadt Canberra.

Durch die Zeitverschiebung von plus zehn Stunden zu Deutschland, war es Australien, das an diesem einen Samstag im Februar die erste der Demonstrationen in Vereinigung mit Pegida, startete. Organisiert wurde die Aktion aber nicht von Pegida selbst, sondern lediglich von einer Gruppe namens “Reclaim Australia”, die ziemlich identische Ziele hat und von Pegida eingeladen wurde teilzunehmen.

Die Protestaktion gegen die Islamisierung Australiens fand vor dem Parlamentsgebäude in der australischen Hauptstadt statt. Rund 400 Anhänger und Unterstützer der Gruppe waren gekommen und teils von weither angereist. Die Organisatoren rechneten mit weitaus mehr Teilnehmern. Die Stimmung war trotzdem ausgelassen und vor allem während der Veranstaltung euphorisch. Viele Teilnehmer hatten sich komplett mit der australischen Flagge eingekleidet, trugen Fähnchen als Kopfschmuck oder hatten Verzierungen in den Nationalfarben im Gesicht.

Über Angst in Australien

Melanie, eine junge Mutter, die mit ihrer kleinen Tochter im Kinderwagen auf den Beginn der Demonstration wartete, sagte sie sei heute hier um Australien vor der Islamisierung zu beschützen. „Ich will nicht, dass es in Australien bald no-go Zonen geben wird und dass man Angst haben muss auf die Straße zu gehen“ rechtfertigt sie ihre Angst. Ihrer Meinung nach wird Australiens Kultur vom Islam bedroht. Angst mache vor ihr vor allem das Scharia Gesetz. Sie sagt mehr als deutlich, dass sie, und dabei spricht sie für alle Beteiligten, keine lächerlichen Religionen in Australien haben möchten.

Während der gesamten Veranstaltung wurden freudig australische Flaggen geschwenkt und Schilder mit Islam-verachtenden Sprüchen in die Höhe gehalten. Auch eine deutsche Flagge wurde stolz getragen. Zudem wurden Schlachtrufe und Parolen wie „Who the hell is Allah”, „Say it loud, say it clear Islam is not welcome here“ and„Aussie pride, Australia wide“ gerufen, aber auch die Position zum Thema Flüchtlinge wurden lautstark in diesen Parolen offenbart: „Say it loud, say it clear, refugees are not welcome here”.

Der Demonstrationsmarsch endete auf dem Vorplatz des Parlamentsgebäudes. Hier wurde der Zug von etwa einem Dutzend Gegendemonstranten begrüßt, die allerdings auffällig schnell ihre Zelte abbrachen und jegliche Art von Widerstand aufgaben. Es kam zu keinen weiteren Vorfällen zwischen den beiden Fronten. Fortgesetzt wurde die Veranstaltung mit einer Vielzahl an Reden von verschiedenen Akteuren, die Reclaim Australia unterstützen. Auch wurde während der Veranstaltung immer wieder laut verkündet, dass Reclaim Australia zusammen am heutigen Tag mit Pegida steht. „United we stand with Pegida“ verkündete Dan Evans, einer der Organisatoren von Reclaim Australia.

Pegida für die australische Identität

Viele der Teilnehmer fürchten um eine Islamisierung Australiens und den Verlust ihrer australischen Identität, Traditionen und Werte. Ihrer Meinung nach darf jeder nach Australien kommen und hier leben, der möchte, allerdings unter der Bedingung sich an den “Australian way of life” anzupassen.

Jodie, eine der Teilnehmerinnen, macht sich vor allem Sorgen um die Zukunft ihrer beiden Töchter. Sie fürchtet, dass die beiden in naher Zukunft eine Burka zur Schule tragen müssen. Auch ihr Bruder, Andrew, der sie zur Demo begleitet hat, hat ähnliche Sorgen. Er fürchtet die Einführung des Scharia Gesetz und sieht die Freiheit von Frauen im Land in Gefahr. „Ich bin heute hier, damit meine Schwester und Nichten nicht unter dem Scharia Gesetz leben müssen. Frauen haben Rechte und dafür setze ich mich heute ein.“ beteuert er.

Widersprüchlich sind allerdings viele Aussagen der Teilnehmer und der Redner. Während manche zugeben, dass sie keine Probleme mit Flüchtlingen haben und sie gerne aufnehmen, machen andere doch sehr stark deutlich, dass Flüchtlinge in Australien keineswegs willkommen sind und am Besten wieder dorthin zurückkehren, wo sie herkommen. Es ist anzumerken, dass in Australien momentan keine unkontrollierte Einwanderung von Flüchtlingen stattfindet. Die äußerst strenge Asylpolitik, die vor allem mit der Kampagne „Stop the Boats“ Schlagzeilen machte, verhindert dies erfolgreich.

Zum krönenden Abschluss versammelte sich ein Teil der Menschen nach Ende der Reden noch in einem Pub. Es gab Bier und Schwein am Spieß. Deutlicher kann es wohl nicht mehr werden.

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