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Auf dem Rücken der Walküren

Söldner made in Germany

Wenn deutsche Wikinger in Somalia einfallen, dann ist das kein schlechter Actionfilm, sondern Realität. back view zeigt, auf welchen Wegen private Firmen deutsche Söldner für Afrika ausbilden. Dabei stehen auch Veranstaltungen aus medienwirksamen Bereichen auf dem Plan.

Alle Töchter Wotans, die Walküren, sind weibliche Geisterwesen, und treffen sich auf dem Walkürenfelsen, um gemeinsam die ehrenvoll auf dem Schlachtfeld Gefallenen in die Ruhestätte Walhall zu führen.
Dabei handelt es sich um den Beginn des dritten Aufzugs des erstens Tages aus Wagners Operntetralogie: „Der Ring des Nibelungen“. Man muss kein großer Wagnerfreund sein, um das Lied zu kennen, das zu Anfang dieser Szene als Vorspiel erklingt. „Der Ritt der Walküren“ ist spätestens seit der eindrucksvoll inszenierten Hubschrauberszene aus Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“ in das popkulturelle Gedächtnis übergegangen.

Wenn eine deutsche private Sicherheitsfirma dieses Musikstück als Intro für ihre Website wählt, wie will sie sich darstellen? Die Musik ist nicht zufällig ausgewählt, denn der Name der Firma ist ähnlich größenwahnsinnig: Asgaard. Asgaard bezeichnet in der nordischen Mythologie eine Art Himmelreich in dem das Göttergeschlecht (die so genannten Asen) leben.
Es hat seinen Platz in den Zweigen der Weltesche Yggdrasil und liegt somit oberhalb von Midgard, dem Reich der Menschen, und Utgard, dem Heim der Riesen und Trolle. Des Weiteren befindet sich im Firmenlogo ein Wikingerschiff. In einem Gespräch mit dem Hamburger Abendblatt im Juni 2010 erklärten die Vorsitzenden der Gruppe, dass die Wikinger eine der ersten Leibgarden stellten und so sähen sie sich in dieser Tradition.

Die Bundesregierung hält auch nach dem Ausscheiden von Karl-Theodor zu Guttenberg an der Reform der Bundeswehr fest. Eine kleine aber spezialisierte Berufsarmee soll aufgebaut werden. Auslandseinsätze werden trotzdem immer mehr von Privatdienstleistern bestritten. Bis vor knapp einem Jahr war fast niemandem bekannt, dass in Deutschland ein privater Armeedienstleister ansässig ist.

Auf der Website von Asgaard gibt es eine Stellenausschreibung: Gesucht werden Mitarbeiter zwischen 25 und 45 Jahren, die flexibel und sofort verfügbar sind. Man wünscht sich Zeitsoldaten der Bundeswehr oder anderer NATO-Armeen, die mindestens vier Jahre verpflichtet waren; Kampf- und Sondereinheiten würden bevorzugt. Nach Bestehen eines nicht näher erläuterten Eignungstestes würden eine hohe Vergütung und eine langfristige und sichere Anstellung in Aussicht gestellt. Die Qualifikation der Mitarbeiter ist wichtig, denn für einen Auslandseinsatz kalkulieren die Geschäftsführer schon einmal 25 000 Euro pro Mann für die Ausrüstung.

Referenzen der Firma kann man auf der Homepage keine einsehen. Es gibt einen Hinweis, dass diese bei einem persönlichen Gespräch gerne vorgelegt würden. Im Mai 2010 soll Aasgaard Medienberichten zufolge nach Somalia beordert worden sein, um dort dem bisher nicht anerkannten Präsidenten Galadid Abdinur Ahmad Darman zu helfen, seine Milizen und Polizei auszubilden, sollte dieser international anerkannt werden.

Die Bundesregierung distanzierte sich öffentlich von der Sicherheitsfirma aus dem Münsterland. Ein Paragraph der deutschen Gesetzgebung könnte Asgaard zum Verhängnis werden. Denn ehemalige Soldaten dürfen zwar für private Sicherheitsdienste im In- und Ausland arbeiten, strafbar macht sich aber, „wer zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung anwirbt“ (Strafgesetzbuch, Paragraph 109h). Die Staatsanwaltschaft Münster hat zwar Ermittlungen eingeleitet, aber bisher keine Anklage erhoben. Trotzdem hat Asgaard seinen Hauptsitz vom münsterländischen Telgte nach Irland verlegt.

Neben den Einsätzen in Krisengebieten entwickelt die Firma aber auch Sicherheitskonzepte für nationale Konzerne oder Großevents wie beispielsweise für die Tour de France. Mit zunehmender Aufmerksamkeit durch die Medien finden sich immer mehr Bewerber für die Firma. Laut Hamburger Abendblatt habe sie mittlerweile bis zu 60 Stand-by-Söldner, 120 weitere könnten in wenigen Wochen aktiviert werden. Welche Gehälter die Kämpfer erhalten ist nicht offiziell bekannt. Es sollen laut Hamburger Abendblatt aber etwa 8000 Euro im Monat sein. Schon vor einigen Jahren konnte ein Söldner bei Blackwater bis zu 1600 Dollar am Tag verdienen.

Im direkten Vergleich mit der Bundeswehr ist die Privatarmee finanziell reizvoll. Denn, selbst ein Mitglied der deutschen Kommando Spezialkräfte (KSK), verdient auch mit Zulagen gerade einmal ein Viertel vom Gehalt eines Asgaard-Mitarbeiters und macht dafür einen mindestens genauso gefährlichen Job – man darf nicht vergessen, dass Söldner bei weitem nicht nur an vorderster Front eingesetzt werden, sondern auch für Logistik und andere Aufgaben. Deshalb kann man davon ausgehen, dass der Nachschub an Bewerbern für Asgaard auch in den nächsten Jahren nicht abreißt.

(Text: Lea Kramer)
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Über den Autor

Lea Kramer
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