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Arizona-Atmosphäre hautnah

Konzert-Review Blind Pilot und Calexico
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Freunde der Alternative/Folk-Richtung kamen am 16.11. voll auf ihre Kosten – Calexico, die seit mehr als 20 Jahren den Western-Flair Arizonas musikalisch vermitteln, bescherten der Messestadt im Werk II einen famosen Auftritt. Ein Gefühl der Weite dieser riesigen Landschaft blieb beim Besucher haften.


Die amerikanische Alternative-Band kann sich ohne Zweifel das Adjektiv „vielseitig“ auf die Fahne schreiben: Songs, die sich zwischen Folk, Indie und lateinamerikanischen Merengue bewegen, Musik, die auch im Hintergrund eines Quentin-Tarantino-Streifens passend wäre. Unweigerlich denkt man bei Klängen wie Gypsy’s Curse an „Pulp Fiction“.

Das kulturelle Zentrum des Leipziger Stadttteils Connewitz bot solch ambivalenten Klängen eine passende Kulisse: Die Atmosphäre des ehemaligen Fabrikgebäudes mit seinen alten Gemäuern verstärkte die Wirkung der Musik nur noch, man fühlt sich in andere Zeiten versetzt.

Eine gute Wahl hatten die Mitglieder der Band mit ihrem Support-Act Blind Pilot getroffen, die mit ihrer Single Three Rounds and a Sound bereits Erfolge verbuchen konnten. In Deutschland wird sie wohl am ehesten als Hintergrundmusik der Serie Californication bekannt sein. Viele der Zuhörer waren wegen ihr gekommen.

Wie gut sich jedoch die beiden Bands ergänzen würden, merkten die Zuhörer bei der ersten Zugabe. Als Blind Pilot sich verabschiedeten, trat Calexico-Trompetenspieler Jacob Valenzuela auf die Bühne – und fügte sich nahtlos in das abschließende Lied ein: We Are The Tide.

Überraschend akzentfrei begrüßte Joey Burns später sein Publikum auf Deutsch – und leitete sichtlich begeistert, später auch berührt, durch das Programm. Epic, der erste Track des neuen Albums Algiers, bildete den Auftakt der sechsköpfigen Combo aus Arizona. Episch ging es auch weiter, mit Across The Wire und Splitter wurden auch ältere Songs gespielt, die Mischung aus neuen und alten Songs war ausgewogen.

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Der Facettenreichtum der Gruppe beeindruckt immer wieder von Neuem: neben zwei Gitarren und Trompeten kamen Kontrabass, Xylophon, Mundharmonika und das obligatorische Keyboard und Schlagzeug zum Einsatz. Zu erwähnen ist hier auch Jairo Zavala, ein Gastmusiker an der Gitarre und Bouzouki, der für Kenner der Musikrichtung mit DEPEDRO ein Begriff geworden ist.

Das weitere Konzert dominierten Lieder, die auch zu einem Italo-Western passen würden. Nicht umsonst wird die Musik Calexicos auch als Filmmusik beschrieben: Victor Jara’s Hands und Crystal Frontier wecken ein Gefühl der Reise- und Entdeckerlust in einem.

Schließlich ist Arizona der Bundesstaat der USA, der mit einem Teil der Rocky Mountains und dem Grand Canyon viele Abenteuer zu bieten hat. Bei diesen Liedern merkt man, wie stark die eigene Herkunft die Stilrichtung der Gruppe beeinflusst hat.

Besonders diejenigen, die wegen Blind Pilot gekommen waren, wurden während der Zugaben Calexicos noch einmal hinreichend bedient. Das Cover Look At Miss Ohio zeigte, wie gut Calexico und Blind Pilot miteinander harmonierten, eine Mundharmonika steigerte die Gänsehautstimmung nur noch weiter. Das zweieinhalb-stündige Konzert fand seinen kubanisch-klingenden Abschluss im Lied Guero Canelo. So viele bewegende Momente machen Lust auf das nächste Mal – wenn Calexico und Blind Pilot wieder nach Leipzig kommen.

(Text: Eric Elert / Fotos: Judith Lekies)

 
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Über den Autor

Eric Elert
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