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Aristokratische Blässe oder Bauernbräune?

Das westliche und östliche Schönheitsideal im Vergleich

Dalika aus Thailand sähe gerne aus wie Emma Watson. Eine hübsche gerade Nase, helle Haut. Doch vor allem die Augen sind es, um die Dalika ihr Vorbild beneidet. Die Stars aus dem Westen wünschen sich hingegen die gebräunte Haut Dalikas. Über die unterschiedlichen Schönheitsideale im Osten und Westen berichtet back view.


hell_teaserDer Rasen des Nachbarns ist immer grüner als der eigene. Und was man nicht hat, das möchte man haben. Diese beiden Sätze treffen die Unterschiedlichkeit der westlichen und östlichen Ansichten von Attraktivität wohl im Kern.

Dalika ist gerade achtzehn Jahre alt geworden und überglücklich. Zum Geburtstag machten ihre Eltern ihr ein vielleicht etwas seltsam anmutendes Geschenk: Eine Augen-Operation. Die junge Thailänderin träumt von der europäischen Lidfalte, seit sie mit zwölf Jahren in einer Zeitschrift die Hollywood-Stars erblickte. Nun wird auch sie endlich perfekte Augen haben. Doch zu welchem Preis?

Eine Lidfalten-Operation ist nicht selten ungefährlich und zieht oft böse Konsequenzen nach sich. Nicht selten haben Frauen wie Dalika anschließend Probleme, ihr Augenlid zu schließen und tragen Blutergüsse um die Augen davon. Wird die Operation nicht korrekt durchgeführt, hält das Ergebnis oft nur wenige Monate, bis das Lid sich wieder in Luft auflöst.
Dalika hofft, dass ihre zweite Lidfalte länger anhält und arbeitet solange schon einmal an dem zweiten Makel: der gebräunten Haut. Diese muss Dalika dringend mit Puder und so genannten Whitening-Cremes übertünchen. Denn für viele Asiaten gilt: White is beautiful.

hell_textDie Orientierung am westlichen Schönheitsideal wird oft zum einen durch den Einfluss Hollywoods erklärt und die Tatsache, dass man sich einen Karrierevorteil von dem europäischen Aussehen verspricht. Nicht zuletzt ist es jedoch auch ein Bild, welches sich bereits seit Jahrhunderten abzeichnet.
Das Abbinden der Füße in China für einen „Lotosfuß“ ist hingegen glücklicherweise seit 1911 verboten, wurde jedoch im 20. Jahrhundert noch an einigen Flecken des Landes praktiziert. Das Resultat dieser schmerzhaften Prozedur, die mit dem Brechen der Zehen bis auf die große Zehe einhergeht, waren gekrümmte Füße, die das Laufen weiter Strecken unmöglich machten.

Während Dalika gerne wie ein Filmstar aussehen würde, würden viele Filmstars ihr Leben für die gebräunte Haut der Thailänderin geben. In unseren Drogerien gehen keine Whitening-Cremes über den Ladentisch, sondern Selbstbräuner und Bronzingpuder.
Schönheitsoperationen für mehr Dekolleté, weniger Fett oder eine gerade Nase stehen jedoch auch im Westen auf der Wunschliste. Der Botox-Kult unter Stars nimmt ebenfalls größere Ausmaße an. Ungeachtet dessen, dass sie damit ihre Mimik einschränken, unterziehen sich viele Hollywood-Schauspielerinnen monatlich dem Facelifting.

Risiken für Schönheit einzugehen ist längst gang und gäbe, sowohl in Amerika und Europa als auch in Asien. Doch schlussendlich kann einigen Praktiken nur die bloße Vernunft Einhalt gebieten. Menschen wie die junge Dalika könnten es sich im Extremfall einfacher machen und lieber den Kontinent wechseln, als sich schmerzhaften und riskanten Operationen zu unterziehen. Es scheint, als würden viele den Schönheitsidealen hinterherlaufen, die in anderen Ländern genau gegenteilig existieren. Wer also schön sein will, der muss nicht leiden, sonder höchstens reisen.

(Text: Ronja Heintzsch / Foto: Liv Stephan by jugendfotos.de)
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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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