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Der vergessene Konflikt

Aids in Afrika

Während alle Welt sich die Köpfe zerbricht über die Klimaerwärmung oder die Wall Street, zählt AIDS immer noch zu den größten Problemen Afrikas. Laut UNaids gab es weltweit zwar eine leichte Senkung der Infizierten in 2007, jedoch leben von den 33 Millionen Betroffenen etwa 66% südlich der Sahara. Die UNaids weist erschreckende Zahlen auf. 2007 wurde eine Studie mit 15-49 Jährigen durchgeführt. Laut dieser sind gerade Länder wie Simbabwe (15,3%), Südafrika (18,1%) und Namibia (15,3%), jedoch vor Allem Lesotho (23,1%), Botswana (23,9%) und am Schlimmsten Swasiland (26,1%) betroffen.

Kein anderer Kontinent kann überhaupt zweistellige Zahlen an Infizierten aufweisen. Ganze Generationen rafft es teilweise dahin – am meisten betroffen ist die mittlere Altersstufe. Bis zu 50 % sterben dort an AIDS, somit fehlen wichtige Arbeitskräfte und die Ernährer der ganzen Familie. Die Alterserwartung liegt heute bei durchschnittlich 49,9 Jahren in den Ländern südlich der Sahara. In Botswana liegt sie sogar nur noch bei 34 Jahren. Zurück bleiben die Jungen und Alten.Warum die Krankheit gerade in Afrika immer noch so weit verbreitet ist hat mehrere Gründe.

Die Tabuisierung der Krankheit in weiten Teilen der afrikanischen Gesellschaft ist dabei wohl der gravierendste Faktor. Da es in den 80er Jahren, anders als in westlichen Ländern, keine Aufklärungskampagnen gab, wurde auch kein Bewusstsein für die Krankheit geschaffen. Der HI-Virus konnte also seit mehr als 25 Jahren fast ungehindert grassieren. Zwei Drittel der Infizierten in der Subsahara-Region stellen Frauen dar.

Dies hängt unter anderem mit der afrikanischen Kultur zusammen, in der Polygamie und die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen weit verbreitet sind. Besonders dramatisch ist aber der Fakt, den Forscher aus den USA herausgefunden haben, dass 90 % der Afrikaner eine genetische Mutation aufweist und somit besonders empfänglich für den Virus ist.

Doch auch der Westen ist nicht unschuldig an der desolaten Situation. Hohe Kosten an Medikamenten und HIV-Tests machen eine effektive Bekämpfung unmöglich, da sich Millionen von Afrikanern die Behandlung einfach nicht leisten können. Viele wollen dann auch gar keinen Test machen, falls sie die Möglichkeit überhaupt bekommen. Ein positives Ergebnis bedeutet das Todesurteil. Die meisten Afrikaner leben also in einer Ungewissheit, was die Ausbreitung des Virus umso mehr begünstigt und weiter voran treibt.

Aber auch die afrikanischen Staaten gehen unterschiedlich mit dem Virus um. Eines der bedrückendsten Beispiele stellt wohl Südafrika dar. Der frühere Präsident Thabo Mbeki verleugnete den Zusammenhang zwischen dem HI-Virus und AIDSund führte den Ausbruch der Krankheit auf Mangelernährung zurück. Damit machte er jahrelange Aufklärungsbemühungen in Afrika mit einem Schlag zunichte. Er empfahl stattdessen rote Beete, Knoblauch oder Olivenöl.

Einen weltweiten Aufschrei gab es, als Jacob Zuma, der jetzige Chef der Regierungspartei, angab, er habe nach dem Beischlaf mit einer HIV-positiven Frau geduscht, um eine Infizierung zu vermeiden. Das schlimmste an dieser Politik ist wohl, dass das Leben von Forschern und Aufklärern schwer gemacht und sie nicht selten bedroht wurden. HIV-Infizierte durften sich nicht zu ihrer Krankheit bekennen. Eine Frau wurde dafür 1998 sogar öffentlich gesteinigt. Dass diese Politik nun glücklicherweise vorbei ist, kann nur positiv für die Eindämmung der Krankheit gewertet werden.

Es gibt allerdings auch positive Beispiele. In Tansania hat man schon vor Jahren damit angefangen, die Bevölkerung weitgehend aufzuklären. Erste Erfolge kann man an der zurückgehenden Zahl der Infizierten sehen. Im Alter von 15 – 49 Jahren ist die Infektionsrate dort drastisch auf 6,2 % gesunken.

AIDS hat sich soweit ausgebreitet, dass es ein großes Problem in afrikanischen Ländern darstellt – und das nicht nur im Gesundheitssektor, sondern auch im wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bereich. Arbeitskräfte fehlen, um die Wirtschaft anzukurbeln, Kinder wachsen ohne ihre Eltern auf und genießen oft keine Bildung, da sie früh arbeiten gehen müssen, um die Familie ernähren zu können.
Die Lage in den Staaten bleibt dadurch auch politisch instabil, da diese unterstützende Basis fehlt. HIV/AIDS hat also noch viel weitreichendere Auswirkungen, als man es sich überhaupt vorstellen mag. Und gerade dort müssen afrikanische Regierungen, zusammen mit ausländischer Hilfe in Form von Nichtregierungsorganisationen und staatlicher Unterstützung anderer Länder, ansetzen, um noch schlimmeres zu verhindern.

(Autorin: Sina Mühling)
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