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Abenteuertrip ohne Fahrplan

Kinoecke: „Offroad“ mit Nora Tschirner

Einmal abseits gewohnter Wege fahren, „offroad“. Das wünscht sich Meike und bricht mit einem ersteigerten Jeep zu neuen Horizonten auf. Ob sie letztendlich aus ihren Gewohnheiten ausbrechen kann, sei dahingestellt, driftet der Selbstfindungsfilm doch schnell in eine Liebesgeschichte ab.


Meike Pelzer (Nora Tschirner), eine junge Frau aus der idyllischen Kleinstadt Geilenkirchen nahe Aachen, führt ein offensichtlich harmonisches, eintöniges Leben. Sie hat einen Mann, mit dem sie zu Fahrradtouren mit Helm aufbricht, und als Juniorchefin im Betrieb ihres Vaters steht ihr eine glänzende Karriere bevor.
Wenn man in der Industrie für Grasfangsäcke eine glänzende Karriere hinlegen kann, stellt sie jedoch schnell mit leichter Bitterkeit und Ironie in der Stimme fest. Meike möchte gerne mehr und aus der Einöde ausbrechen. Sie träumt von einsamen Wegen, ohne Ampeln, ohne Regeln, von Vollbremsungen im Sand der Sahara.

Gegen den Rat ihres Mannes ersteigert sie kurzentschlossen einen Jeep für 6500 Euro, nichtsahnend, dass dieser einen weitaus größeren Gewinn mit sich bringt. Im Kofferraum befinden sich 2,5 Kilogramm Kokain und bald sitzen ihr zwei Männer im Nacken, die den Jeep um jeden Preis an sich bringen wollen.

Mithilfe von Salim (Elyas M‘Barek) flieht sie nach Berlin. Die beiden liefern sich in witzigen Dialogen den ein oder anderen grandiosen Schlagabtausch und schon bald wird klar, dass Meike und Salim füreinander bestimmt sind. Die Wege der beiden trennen sich jedoch, da Salim zu sehr an seiner Freundin hängt.

An dieser Stelle beginnt der Film, das eigentliche Ziel der Reise zu vergessen. Meike, die anfangs zu sich selbst finden wollte, verliert ihre Prinzipien aus den Augen. Die Gedanken um Salim vereinnahmen sie. Schließlich rückt auch die Verletztheit darüber in den Hintergrund, dass ihr Mann zuhause eine Affäre hatte, Meike macht es ihm einfach nach.

Sie scheint lediglich das Abenteuer zu suchen, dass ihr zuhause nicht vergönnt war. Trotzdessen lässt sie sich wieder naiv auf ihren Ehemann ein, als dieser nach Berlin kommt, was beim Zuschauer leichte Irritationen ob ihrer Absichten aufkommen lässt. Dass dieser nur nach den Unmengen von Profit aus dem Koks strebt, durchschaut Meike nicht. Man könnte meinen, sie habe bis zum Ende des Films nichts dazugelernt.

Die Suche nach Abenteuer, die Liebeskomödie um Salim, der Versuch das Koks zu verkaufen und die Rückbesinnung auf ihren unzuverlässlichen Mann – alles reiht sich aneinander, bis schließlich die Frage aufkommt: Wo möchte der Film hin?

Die Abschnitte von Meikes Reise haben ihren ein oder anderen Höhepunkt, doch die aufgebaute Spannung entweicht schnell in den langatmigen Dialogen. Das schauspielerischen Talent Nora Tschirners kann schließlich auch nicht darüber hinwegtrügen, dass die Reise vermutlich wirklich in der Wüste enden wird.

Bewertung: 2,5 von 5 Sternen

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(Text: Ronja Heintzsch / Zeichnung: Christina Koormann)


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Über den Autor

Ronja Heintzsch
Ressortleiterin Kultur

Konstruktive Kritik in bitterscharfen Kommentaren üben, die Welt bereisen, auf aktuelle Problematiken hinweisen - all dies sind Gründe, aus denen Ronja beschloss, sich dem Metier Journalismus zu verpflichten. Schließlich gibt es noch einige unaufgedeckte Watergate-Affären in dieser Welt.

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