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48 Bilder pro Sekunde sind 24 zu viel

Kommentar zum Untergang des „perfektionierten“ 2D-Kinos

Von allerhand Neuerungen wurden wir in den letzten zwei Jahren ĂŒberschĂŒttet, was den optischen Genuss von Filmen angeht: High Definition Filme und Fernseher, Blu-ray und nicht zuletzt mit der 3D-Technologie, die sogar schon fast Wohnzimmer-tauglich ist (wenn man genug Geld dafĂŒr hat). Alle diese Entwicklungen sollten dazu beitragen, noch SCHÄRFER und noch BESSER alle DETAILS zu erkennen. Und nun das.


Exklusive Zusatzbilder
J. R. R. Tolkiens Roman „Der kleine Hobbit“ wurde verfilmt und erzĂ€hlt die Vorgeschichte der „Herr der Ringe“-Trilogie. Der neue Streifen kam sowohl als 3D-Film, als auch als – Achtung, ganz neu! – 2D Variante mit 48 fps (Bilder pro Sekunde) in ausgewĂ€hlte Kinos.

Voller Vorfreude auf den Film begab ich mich in die Welt des Hobbits. 2D mit zusĂ€tzlichen 24 fps sollten es sein. ZunĂ€chst schienen die Werbung und die ĂŒblichen Trailer ganz normal, dann begann das Filmspektakel (bzw. eher -debakel). In 48 frames per second.

Die Theorie…
Sehen wir uns den Film zunĂ€chst aus theoretischer Perspektive an: Das menschliche Auge nimmt eine Abfolge von Bildern als Film wahr, wenn die Bilder in einer Rate von mindestens 24 Bildern pro Sekunde erscheinen. Dementsprechend nennt man diese Einheit im Film auch ‚frames per second‘. In Folge dessen waren die meisten bisher gezeigten Filme auch in 24 fps gedreht.

An die damit verbundene BewegungsunschÀrfe haben sich unsere Augen lange gewöhnt. Mit der doppelten Bilderrate sollte die BewegungsunschÀrfe mehr oder weniger behoben werden und einen Film optisch schÀrfer erscheinen lassen.

… und die Praxis wĂ€hrend der Vorstellung
Wie sieht das Ganze nun in der Praxis aus? Wenn ich einen Kinofilm ansehe, begebe ich mich in einen abgedunkelten Raum zusammen mit vielen anderen Menschen. Wenn der Film beginnt, verstummen plötzlich alle, man hört das Rascheln des Popcorns, das ein oder andere Husten und Niesen (hoffentlich kein Handy!). Und irgendwann verliert man sich in dem Film, taucht völlig in dessen Welt ein und erwacht an dessen Ende wieder.

Diese Konzentration ist mir beim ersten Kontakt mit dem 48 fps-Film schlichtweg nicht möglich gewesen. Der Film ist scharf. SchÀrfer als alles, was man sich vorstellen kann. Aber gleichzeitig so unscharf, dass man in bewegungsreichen Szenen nichts erkennen kann. Es scheint paradox.

Solange die Kamera still hĂ€lt, sieht alles wunderbar aus und man erkennt jedes Pickelchen des Hobbits. Doch in den Action-Szenen waren die Details nur noch verschwommene Objekte. In den Film einzutauchen war somit unmöglich. Leider. Immer wieder fand ich mich im Kinosaal darĂŒber nachdenkend, ob das mit der UnschĂ€rfe an meiner fehlenden Brille oder an dem Film liegt.

… genug Geld dabei?
Ganz nebenbei saugen diese zusĂ€tzlichen 24 Bilder pro Sekunde dem Zuschauer einige MĂŒnzen mehr aus der Tasche, als das sonst der Fall war. Denn fĂŒr einen 48 fps-Film werden auch andere Protektoren benötigt bzw. mĂŒssen diese aufgerĂŒstet werden.

Und wer darf das zahlen? Erraten – der Zuschauer. Wem diese Technik nichts wert ist, der hat entweder GlĂŒck und das Kino verwendet weiterhin 24 fps, oder man muss in den sauren Apfel beißen und den (HFR) 3D Aufschlag zahlen und 48 fps aushalten.

Mehr recht als schlecht
Bei den ersten VorfĂŒhrungen erhielt „der Hobbit“ mehr vernichtende als positive Kritiken. Zu realistisch seien die Darstellungen, der Zuschauer hĂ€tte das GefĂŒhl, direkt bei den Dreharbeiten dabei zu sein. Der typische Kinoeffekt wĂŒrde fehlen. Ein User schrieb sogar, der Film sei „wie GZSZ im Kino“.

FĂŒr mich bleibt nur zu hoffen, dass sich die 48 fps nicht auf Dauer durchsetzen. Lieber verzichte ich auf zusĂ€tzliche SchĂ€rfe, als dass mich ein einziger Kinobesuch fast 15 Euro kostet und ich mich wĂ€hrend der Vorstellung kaum konzentrieren kann. Denn damit geht das gute, alte Kinofeeling leider verloren.

(Text: Sarah-Janine Fischer)


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Kommentare (1)

  • Avatar

    Christian

    Hallo,
    sorry erstmal fĂŒr meine Kritik. Aber nur weil es was Neues gibt und man ein realistischeres GefĂŒhl hat nun gleich rumzuheulen? Was der Bauer nicht kennt, isst er nich!? Außerdem ist GZSZ auch in 26 bzw. 24 FPS gedreht und ausgestrahlt. Leute gibt’s ..

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