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200 Kilometer Schorcheln auf Kreta

Eine Welt fĂŒr sich

Der FrĂŒhherbst ist die ideale Reisezeit fĂŒr einen Besuch auf der grĂ¶ĂŸten griechischen Insel: Kreta. Auch Abenteurer zieht die Region an. Die Sportlerinnen Maria Steier und Saskia Hinz umschnorchelten die West- und SĂŒdkĂŒste der Insel – in 14 Tagen knapp 200 Kilometer, allein mit sich und der Natur.

kreta1SteilkĂŒste, vertrĂ€umte Fischerdörfer, atemberaubende Schluchten, karibische StrĂ€nde und azurblaues Meer. Das ist der SĂŒden von Kreta. Auch im Herbst lockt die Insel noch mit milden Temperaturen, die Baden und Sonnen erlauben, aber auch das Wandern leicht machen. Der ideale Ort, dachten sich Maria Steiner und Saskia Hinz aus Bremen, als sie ihren abenteuerlichen Trip durch das herbstliche Mittelmeer planten.

„Ich kannte einen Teil der SĂŒdkĂŒste schon aus einem Urlaub und dann kam uns die Idee auch noch die WestkĂŒste zu umschnorcheln. Das hat vorher noch niemand getan“, erzĂ€hlt Saskia.
Tauchlehrerin Saskia und Maria, die als Dozentin fĂŒr Ergotherapie arbeitet, planten im Oktober 18 Tage lang tĂ€glich sechs Stunden im Wasser zu verbringen, mit Maske, Schnorchel und Flossen. Aus 18 Tagen wurden letztlich 14 und aus 300 Kilometern 200 – denn allerlei Gefahren und unvorhersehbare Probleme warteten auf die Abenteurer.

Kreta2Berge und Meer
Das Schnorchelabenteuer fĂŒhrt die beiden von Chania ĂŒber die Lagune Balos Gramvousa nach Paleochora zum kleinen KĂŒstenort Agia Gallini, dem Etappenziel. Kilometerlange SteilkĂŒsten ohne Anlandemöglichkeit, HerbststĂŒrme, UnterkĂŒhlung und das Gewicht der 50 Kilo schweren AusrĂŒstung, das gezogen werden muss inklusive.
Nach 1,5 Stunden im Wasser wurde immer eine Pause gemacht, denn beiden geht es nicht nur darum viele Kilometer zurĂŒckzulegen. Die NĂ€chte wurden im Zelt an StrĂ€nden verbracht. Es ist das Gesamterlebnis, alleine mit sich und der Natur, das die beiden reizt. „Wir möchten auch mal an schönen Stellen bleiben und die Unterwasserwelt genießen – runtergehen in kleine Lagunen und Grotten“, erzĂ€hlt Maria.

Schöne Stellen bietet die SĂŒdkĂŒste genug. Etwa die Lagune Elafonissi, an deren Strand man sich in der SĂŒdsee wĂ€hnt oder die vielen kleinen KĂŒstenorte, die nur ĂŒber den Seeweg erreichbar sind. Durch die lefka ori, die weißen Berge, die eine Höhe von 2.453 Metern erreichen, ein Wanderparadies. Die an der SĂŒdkĂŒste gelegene Samaria-Schlucht ist die bekannteste und zugleich lĂ€ngste Schlucht Kretas.

Ihren Trip hielten die beiden MĂ€dchen per Kamera fest, denn jetzt, am Ende, soll ein Film entstehen, der es vielleicht sogar in das Kino schafft. „Und wenn nicht“, lacht Saskia, „dann haben wir eine schöne Erinnerung fĂŒr die Familie.“ Am Anfang des Projekts hatten beide Sportlerinnen mit wenig UnterstĂŒtzung gerechnet.
Die Sponsoren zeigten sich aber schnell großzĂŒgig und begeistert von der Idee der MĂ€dchen: „Wir mussten am Schluss sogar zwei Sponsoren absagen, weil noch mehr Materialien einfach zu schwer zu ziehen geworden wĂ€ren. Wir hĂ€tten nie damit gerechnet, dass das Projekt auf so viel Zuspruch stĂ¶ĂŸt.“ Jeden Abend schrieben sie fĂŒr einen Tauchblog ĂŒber ihre Erlebnisse.

Kreta3An den eigenen Grenzen
Die Grenzerfahrung, die sich die beiden jungen Frauen gewĂŒnscht haben ist eingetreten: Sie mussten mit Erdbeben, RĂŒckenwind, StĂŒrmen und rauer See kĂ€mpfen. Das Boot bekam ein Loch ab und Saskias Flosse zerbrach. „Nichts als Wasser weit und breit, schĂ€umende Wellen, das kann einem Angst machen“, schrieben sie auf ihrem Blog. Das Kartenmaterial entsprach dennoch nicht den realen Gegebenheiten, sodass die Tagestouren immer lĂ€nger wurden als geplant. Ab dem zweiten Tag setzten Blessuren wie Blaue Flecken, Sonnenbrand und schmerzende Fußgelenke und KrĂ€mpfen ein.

Die letzten Kilometer des Trips waren fĂŒr die beiden eine echte Herausforderung: Zweifel warum man sich so etwas antut kamen auf. Dennoch entschĂ€digte die Unterwasserwelt mit Fischen, Schildkröten und Krabben fĂŒr vieles und schweißte die beiden MĂ€dchen zusammen. Auf ihrer Tour begegneten den Sportlerinnen immer wieder Situationen mit denen sie gar nicht gerechnet hatten und die sie bereicherte.

Durch ihre PrĂ€senz in den sozialen Netzwerken und Mundpropaganda, hatte sich das Vorhaben an der SĂŒdkĂŒste herumgesprochen und die Einheimischen begrĂŒĂŸten sie ĂŒberall mit der außergewöhnlichen Gastfreundschaft der Kreter. Immer wieder wurden sie zum Essen, einer Dusche oder einem Schlafplatz eingeladen und auch Saskias kaputte Flossen wurden kostenlos ersetzt. Viele Einheimische fieberten mit und manche sprachen sogar davon, dass die beiden Geschichte geschrieben haben.

(Text und Fotos: Lisa BrĂŒĂŸler)
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